
Désirée Good
Freizeit / Kreativität
Mal so, mal so
Farben machen gute Laune. Mit Farben und Formen experimentieren, gestalten und etwas ausdrücken kann jede und jeder – viel braucht es nicht dazu. Auch kein Malatelier. Aber manchmal tut es gut, die eigenen vier Wände zu verlassen, in eine andere Umgebung einzutauchen, wo alles bereits bereitsteht: Farben, Pinsel, Papier, genug Platz.














Schwups ist das Malhemd übergezogen, das weisse Blatt hängt schon an der Wand. «Heute will ich Pink malen», sagt das Mädchen – gesagt, Pinsel aus dem Farbtopf gezogen und den ersten Strich getan. Andere Kinder beobachten zuerst, wer links und rechts neben ihnen malt oder verstecken sich hinter Mamas Bein, wenn Libby Raynham sie willkommen heisst. Die GZMitarbeiterin ist auch Kunstmalerin und leitet an diesem Morgen die offene Malwerkstatt: «Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass sich die Kinder bei uns sicher fühlen und entspannt und ohne bewertet zu werden, mit ihrem kreativen Ausdruck experimentieren können.» Die Eltern schätzen es, dass sie nicht zu einer vor-gegebenen Anfangszeit hier sein müssen, sondern ohne Hektik eintrudeln können. «Wenn wir Platz haben, können die Kinder so viel malen, wie sie wollen», so Raynham.
Wo: Gemeinschaftszentrum Schindlergut, 8006 Zürich
Wann: Mi, Do, Fr 10–12 h, Fr auch 14–17 h
Alter: ab ca.1,5 Jahren
Preis: Fr. 5.– pro A1-Blatt, Fr. 3.– pro A2-Blatt

Papagei Colorino ist farbig wie die Wände des Malateliers und seine Stimme krächzt ein wenig, so fest freut er sich über den Besuch der Kinder im Atelier «SinnSalabim». Nachdem Colorino auch die Mamas, den Papa oder das Grosi begrüsst hat, stimmt Oliva Faggi, Kindergärtnerin und Montessori-Pädagogin, ein Lied an oder erzählt eine kurze Geschichte, danach erklärt sie, womit heute gearbeitet wird. Zum Beispiel mit Kleister, der die Textur der Farbe verändert. Oder mit grossen Rollen, die mit ganzem Körpereinsatz übers weisse Papier geschoben werden. Erwachsene und Kinder malen und experimentieren nebeneinander, manchmal auch miteinander. Das gemeinsame, lustvolle Tun steht im Vordergrund. Nach 30 bis 40 Minuten malen gibt es einen Zvieri und die entstandenen Werke können nochmals angeschaut werden.
Wo: Malatelier SinnSalabim, 5430 Wettingen
Wann: jeden 2. Do im Monat, 15–16.30 Uhr
Alter: ab 2–5 J. mit erwachsener Begleitperson, max. 6 Paare.
Preis: Fr. 45.–/ Lektion

Was darf es sein – Kaffeetasse, flacher Teller oder Schildkröte? Eierbecher, Krug oder doch lieber eine Vase? Noch sind die Keramikstücke alle weiss und unbemalt. Doch mit Pinsel, Farben, Stempel oder Schwämmen wird ein buntes Einzelstück daraus, ganz nach eigenem Geschmack – und Können! Martina Riedi unterstützt und berät bei maltechnischen Fragen so, dass das Resultat bei Klein und Gross freudiges Strahlen auslöst. Die Lehrerin hat das Keramikmalen während ihres Psychologiestudiums im sonnigen Kalifornien kennengelernt und bietet nun einmal in der Woche die Möglichkeit, die einzigartige Technik im gemütliche Fachwerkhaus bei einem guten Gespräch kennenzulernen. In einem weiteren Schritt werden die fertig bemalten Keramikstücke glasiert und gebrannt und sind nach einer Woche abholbereit.
Wo: Farbstube, Quartiertreff Hirlsanden, 8032 Zürich
Wann: Di von 14 bis 17 h, keine Anmeldung nötig
Alter: 3–99 Jahre
Preis: je nach Gegenstand ab Fr. 19.–

Viele Kunstmuseen bieten auf Kinder und Familien zugeschnittene Aktivitäten an. Im Aargauer Kunsthaus gibt es den Nuggi-Treff für Eltern mit Kindern von 0 bis 4 Jahren oder im Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich regelmässige Kinder-vernissagen. Ein besonders engagiertes und abwechslungsreiches Familienprogramm bietet das Kindermuseum Creaviva des Zentrum Paul Klee in Bern. Dreimal täglich ausser Montag können Kinder, angeleitet von einer Kunstpädagogin, eine spezifische Technik von Paul Klee kennenlernen. Das Thema wechselt jeden Monat; im November wird in Anlehnung an die Ausstellung «About Trees» ein Baum gestaltet, mit Gips, Papier und Holz beblättert. Im Dezember hinterlassen jedes Jahr Engel ihre Spuren – nicht nur in den Herzen, sondern ganz sichtbar in Schwarz, Weiss und Gold.
Wo: Offenes Atelier des Kindermuseums Creaviva, Zentrum Paul Klee, 3006 Bern
Wann: Di–So 12–13 h, 14–15 h, 16–17 h
Alter: ab 4 J. (bis 8 J. nur in Begleitung Erwachsener)
Preis: Fr. 15.–/Person, Familienkarte Fr. 40.–

Malen darf im Malort Spiel sein. Es dient hier weder der Kunst noch der Therapie oder einem anderen Ziel. Der Malort, wie er von Pädagoge und Forscher Arno Stern konzipiert wurde, ist ein bewertungsfreier Raum, in dem Kinder und Erwachsene zu ihrer ganz eigenen, ursprünglichen Malspur zurückfinden. «Diese ersten Spuren werden oft abschätzend als Gekritzel bezeichnet, ganz besonders, wenn die Entwicklungsphase nach Ansicht der Erwachsenen zu lange dauert», sagt Randa Asal. «Es handelt sich jedoch um einen natürlichen Prozess, der in jedem von uns innewohnt und im eigenen Tempo reift, wenn man dabei nicht gestört wird.» Die Malerin und Ergotherapeutin hat in Winterthur vor Kurzem einen solchen Malort eröffnet. «Hier kann gemalt werden, was sich äussern will; Begabung und Behinderung sind fremde Begriffe.»
Wo: Malatelier Zur Kesselschmiede, 8400 Winterthur
Alter, Kurszeiten, Preise siehe unter www.kinderergo.ch
Infos und Adressen von Malorten in der ganzen Schweiz: www.malraum.ch, www.arnostern.com

In schwierigen Zeiten oder bei Veränderungen im Alltag erleben viele Kinder Phasen der Angst. Fürchten plötzlich denSchulweg, das Alleinsein, dass die Mama stirbt oder ein Krieg ausbricht. Doch oft kann das Kind nicht in Worte fassen, was in ihm vorgeht. Im Atelier Papillon hilft Ruth Sutter in maltherapeutischen Einzelstunden, Ängste und andere Blockaden in Bilder umzusetzen. Mit unterschiedlichen Materialien kreiert das Kind Figuren und Geschichten und getraut sich, im Rollenspiel bedrohliche Gefühle auszudrücken. Es entstehen berührende Bildergeschichten, in denen das Kind seine ganz persönlichen Lösungen für den Umgang mit schwierigen Situationen entwickelt,sich von Druck und Ängsten befreit und die belastenden Erfahrungen verarbeitet.
Wo: Mal-Atelier Papillon, 4415 Lausen BL
Wann: Nach Vereinbarung. Alter ca. ab Kindergartenalter
Preis: Fr. 135.–/Std. Maltherapie wird von einzelnen Zusatzversicherungen übernommen.

Hier wird ins Malgeschehen eingegriffen, ja, es wird sogar mitgekritzelt, überpinselt, verändert. Mit Absicht und von allen, die mit am Tisch sitzen. Geboren wurde die Idee, als das Künstlerpaar Rahel und Kokdamon Lam befreundete Street-Art-Künstler in London besuchte. «Wir fingen an, gemeinsam zu zeichnen und das Blatt im Zehn-Minuten-Intervall weiterzugeben», erzählt Rahel Lam. Wieder zu Hause probierte das Ehepaar die Idee mit seinen drei Kindern aus: Marker, Farbstifte und Filzstifte stehen auf dem Tisch, dazu fünf Blätter – je eins für Mama, Papa und die drei Kinder. Auf los gehts los und alle zeichnen – altersgemäss mehr oder weniger konzentriert. Im 15-Minutentakt klingelt ein Wecker – jetzt werden die Blätter nach rechts weitergegeben. Wer etwas gezeichnet hat, das nicht übermalt werden darf, klebt einen Post-it-Zettel drauf. Wichtige Regel in diesem Kreativprozess: Niemand bewertet oder redet dem andern drein. Fertig sind die Gemeinschaftskunstwerke, wenn die Familie das so entscheidet – oder es Zeit ist fürs Abendessen.
Wo: Am Familientisch, unterwegs, am Kindergeburtstag – überall, wo gezeichnet werden kann.
Wann: Nach Lust und Laune
Alter: 1–99 Jahre
Preis: Materialkosten.

Was Eltern wichtig ist, überträgt sich automatisch auf die Kinder. Wer sich also wünscht, dass der Nachwuchs mit Farben und Formen experimentiert, soll sich selbst darin üben – zum Beispiel bei Malpädagogin Elisabeth Walder im Malraum Baden. Eine nach der anderen trudeln die Frauen ein – Mann ist kein einziger dabei. Sie ziehen einen Malschurz über, hängen ein weisses Blatt auf oder das Bild, das beim letzten Mal nicht fertig wurde. Und vertiefen sich sofort ins Malen. Geredet wird nur, wenn jemand eine Mischfarbe braucht oder wünscht, dass das Bild umgesteckt wird. Mir als Anfängerin erklärt Elisabeth Walder die Regeln: Pinselborsten bis zur Hälfte ins Wasser tauchen, dann ebenso in die Farbe; Pinsel in der Mitte halten und jetzt senkrecht übers Papier streichen, immer nur in eine Richtung. Ich wage einen ersten forschen und tieforangen Pinselstrich. Die Deckfarben erfordern exaktes und langsames Malen, eine Herausforderung für mich. Ich schiele links und rechts – wow, diese Farben- und Formenpracht! Merke, wie ich vergleiche, wie ich mit meinem Bild gefallen will. Tauche schliesslich tiefer und tiefer ins Malgeschehen ein. Und schon sind die zwei Stunden um.
Wann: Mo 13.45-15.45, 18.15.-2015 h, Di 19-21 h, Sa 9.30 – 11 h
Wo: Malraum Baden, Haselstr. 33, 5400 Baden
Alter: für Erwachsene
Preis: Fr. 35.- (2 Std.), 40.- (2,5 Std.)
Weitere Malateliers:
Chur:
Kinderkurse, Mal- und Kunsttherapie. www.mal-atelier.ch
St. Gallen:
Malraum nach Arno Stern. Kurse für Kinder und Erwachsene. www.malatelierbrunner.ch
Zürich:
- Migros Museum für Gegenwartskunst, Familiennachmittage. www.migrosmuseum.ch
- Nuori Malspielraum, Kurse und Maltherapie (ab 4 Jahre) und Malspielgruppe (ab 3 Jahre). www.malspielraum.ch/
- Kunsthaus, offenes Atelier für Kinder, Familienworkshops, Ferienkurse. www.kunsthaus.ch
- Kindermalatelier Farbmuus, Kindergruppen für Kinder von 3,5 bis 15 Jahren. Vor Weihnachten ist Leiterin Sandra Laczo der Engel im Zürcher Märlitram. www.farbmuus.ch
Küsnacht ZH:
Kurse für Kinder, Erwachsene, Kunsttherapie. www.kunstlokal.ch