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Mamaversum
«Wie konnte ich nur so werden?»
Unsere Kolumnistin Maja war sich sicher, beim eigenen Kind alles besser zu machen als ihre Mutter. Ein grosser Trugschluss, wie sie zurzeit erkennen muss.
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Mamaversum
Unsere Kolumnistin Maja war sich sicher, beim eigenen Kind alles besser zu machen als ihre Mutter. Ein grosser Trugschluss, wie sie zurzeit erkennen muss.
Meine Mutter hat ganz viel ganz super gemacht. Ich gebe zu, dass ich das heute als Erwachsene besser schnalle als ich es als Kind, geschweige denn als Teenager wahrgenommen habe. Wenn ich an meine Mama denke, dann sehe ich, wie sie tobt, weil da ein paar Fingerabdrücke auf der Balkontüre klebten. Oder Zahnpastareste im Brünneli. Ein offener WC-Deckel. Sie konnte sich auch herrlich aufregen, wenn die Wäsche neben, statt im Korb lagen. Läck, ging sie ab ! Und während sie jeweils tobte, dachte ich: Gott bewahre, dass ich auch so werde, wenn ich gross bin. Oder eigene Kinder habe. Da werde ich nämlich voll chillig, dachte ich mir. Wir wohnen ja dann nicht in einem Museum. Ein, zwei Flecken auf dem Glas, etwas Zahnpasta oder Wasserflecken in der frisch geschrubbten Küche, who cares ? Ich nicht !
Mama regt sich auf
Mama regte sich aber nicht nur über Haushaltszeugs auf. Sie war ständig sicher, dass wir frieren. Auch bei 30 Grad im Schatten. Und dann der Terror, wenn wir mal keinen Sonnenhut aufsetzen wollten. Mein Gott, hey ! Wollten wir in den Ausgang, musste sie immer sehr genau wissen, mit wem wir wohin gehen. Welchen Bus wir nehmen. Wer uns bis zur Haustüre begleitet. Als etwa im Jahr 1997 Pager aufkamen, waren meine Schwester und ich die ersten Kinder, die einen hatten. Beim Tamagotchi war Mama nicht so schnell.
So weit, so gut. Machen wir einen Zeitsprung. Heute bin ich selbst Mutter. Und gebe zu, dass mich die Fingerabdrücke meines Vierjährigen in den Wahnsinn treiben. Wir wohnen in einer Maisonette-Wohnung. Die Galerie ist aus Glas. Ich putze ständig und rege mich ständig auf. Nicht nur ähnlich, nein, genau gleich geht es mir mit der Kinderzahnpasta im Brünneli. Hässig werde ich auch, wenn mein Sohn seine Klamotten genau da liegen lässt, wo er sie auszieht. Nämlich überall. Neulich scheint die Frühlingssonne. Es sind gerade mal etwas über 20 Grad. Alles easy, könnte man meinen. Nun raten Sie mal, welche hysterische Mutter mit der Sonnencreme in der einen Hand und dem Sonnenhut in der anderen wedelte ?
Und wenn wir hier schon beim Seelenstriptease sind: Die Diskussionen um die Wahl des Schlafsackes, in dem unser Bub nächtigt, sind immens. Ich bin immer für den dicken, mein Freund nicht. Ich kann es drehen, wie ich will. Ich bin meine Mutter. Das ist aber nicht nur mühsam, im Gegenteil ! Meine Mutter sprang mit mir in Regenpfützen um die Wette, erlaubte mir Glace im Winter und hatte grossen Spass, die Welt aus meinen Kinderaugen neu zu entdecken. Alles Dinge, die ich jetzt 1 :1 auch so mache. Wie soll ich sagen ? Ende gut, alles gut !
Über Umwege, die sie als Reiseleiterin in die Türkei und an den Empfang von «Tele Züri» führten, landete Maja Zivadinovic im Journalismus. Zusammen mit Yvonne Eisenring und Gülsha Adilji macht sie seit 2021 den SRF-Podcast Zivadiliring. Ihr Lieblingsjob ist aber ein anderer: Seit Juni 2020 ist sie Mami eines Buben.