In Montessori-Einrichtungen werden die Lehrpersonen beim Namen oder «Leiter» genannt, denn ihre Aufgabe ist es nicht, zu lehren, sondern zu beobachten und wo nötig zu unterstützen. Ich selbst bin im Alltag oft versucht, Dinge für meine Kinder zu erledigen. Das geht auch deutlich schneller und unkomplizierter. Aber wirklich helfen kann ich, indem ich ihnen Zeit lasse. Wenn sie nicht bei jedem Schritt auf meine Hilfe angewiesen sind, merken sie: Ich kann das! Sie trauen sich immer mehr zu und sind zufriedener. Oder wie würde es uns gehen, wenn uns der Kellner nach dem Einschenken des Weins gleich noch das Glas an die Lippen hielte? Eben.
<<Hilf mir, es allein zu tun!>>
Maria Montessori
♦ Statt sie einfach auszuziehen, beziehe ich meine Tochter ein und zeige ihr wie sie den Reissverschluss selbst aufziehen kann.
♦ Statt meiner Tochter die Trinkflasche ganz zu öffnen, schraube ich den Flaschendeckel nur ein klein wenig auf. Und sie macht den Rest.
♦ Statt sie zu füttern, zeige ich ihr, wie sie den Löffel selbst zum Mund führen kann.
♦ Statt einfach ihre Fragen zu beantworten, machen wir uns auf die gemeinsame Suche nach den Antworten. Sei es, indem wir das passende Buch in der Bibliothek holen, den Tierpark besuchen oder unsere Nachbarin fragen.
Ellen Girod hat Religion, Wirtschaft und Politik studiert und arbeitet als freiberufliche Journalistin. Seit sie Mutter ist, schreibt sie am liebsten über ein Familienleben mit Kindern auf Augenhöhe, auch auf ihrem Blog chezmamapoule.com.