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Erziehung
Ich will ein Tier!
Keiner Familie bleibt das Gequengel erspart: «Ich will ein Haustier, biiiiiiitte.» Ein Gespräch mit Rommy Los, Leiter des Zürcher Tierheims, über TierheimTiere, Wünsche und Ehrlichkeit.
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Keiner Familie bleibt das Gequengel erspart: «Ich will ein Haustier, biiiiiiitte.» Ein Gespräch mit Rommy Los, Leiter des Zürcher Tierheims, über TierheimTiere, Wünsche und Ehrlichkeit.
Bald gehts los mit den Weihnachtswünschen: Ein Haustier rangiert bei Kindern oft ganz oben auf der Liste. Helfen und gleichzeitig Freude schenken mit einem Tierheim-Tier – ist das eine gute Idee?
Grundsätzlich sollte ein Tier nie spontan verschenkt werden. Das bedarf guter Vorbereitung. Und absoluter Ehrlichkeit sich selbst gegenüber: Was passt zu uns? Was können wir bieten? Wie viel Zeit wollen wir aufwenden? Wie viele Jahre lang? Wie viel Geld investieren? Nur als Beispiel: Die Operation einer Katze, die vom Baum gefallen ist und einen komplizierten Oberschenkelbruch hat, kann schnell 2000 Franken kosten. Und Katzen können bis zu 20 Jahren leben...
Kommt denn überhaupt ein Tier, etwa ein Hund, aus dem Tierheim infrage? Oder ist das Risiko, an einen traumatisierten, unberechenbaren Hund zu geraten, zu gross?
Nein, das Risiko ist klein. 85 Prozent der Tiere bei uns sind Tiere, die aus familiären Gründen, wegen Umzug oder Krankheit kamen oder weil die Halter nicht mehr genug Zeit für sie hatten. Die Tiere sind also für gewöhnlich nicht traumatisiert oder verhaltensauffällig. Es ist sogar von Vorteil, denn wir kennen unsere Tiere und wissen, welche Eigenheiten sie haben. Ob sie gutmütig sind, kinderlieb oder eher geräuschempfindlich. Natürlich gibt es auch Tiere, die aufgrund ihrer Geschichte schwieriger in der Haltung sind. Aber das wird den Interessenten in guten Tierheimen von Anfang an gesagt.
Man kann also zu Ihnen kommen und sich dann einfach ein nettes Tierchen aussuchen?
Ganz so einfach ist das nicht. Wir lassen unsere Besucher und Besucherinnen nicht wie in der Shoppingmall durchs Tierheim spazieren. Das würde die Tiere unnötig stressen. Wir machen grundsätzlich Vorbesprechungen, in denen genau geklärt wird, wie Tier und Familie mit den verschiedenen Bedürfnissen und Bedingungen zusammenpassen.
Wenn das Kind sich sehnlichst ein Tier wünscht: Welches eignet sich?
Kommt drauf an. Neben den genannten Fragen, die man sich stellen muss, sollten Eltern mit dem Kind seine Erwartungshaltung an das Tier besprechen. Möchten sie eher beobachten oder kuscheln? Kaninchen und Meerschweinchen eignen sich in der Regel überhaupt nicht zum Schmusen. Das stresst sie. Wenn sie in freier Wildbahn vom Boden gehoben werden, dann höchstens dann, wenn sie etwa ein Greifvogel packt.
Hund oder Katze?
Auch diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Eigentlich sollte eine Katze mit Freigang weniger Aufwand als ein Hund bedeuten. Aber: Eine Bengalkatze etwa eignet sich nicht für eine Innenhaltung. Durch den Wildkatzenanteil hat sie einen viel grösseren Bewegungsdrang. In den meisten Fällen jedoch sind gesunde Katzen eher pflegeleicht, weil sie – vor allem als Freigänger – selbstständiger sind.
Was empfehlen Sie also?
Am besten ist es, wenn sich die Familie bei uns oder einem anderen gut geführten Tierheim beraten lässt. Steht die Tierart schon fest, haben wir bestimmt den ein oder anderen Tipp fürs Zusammenleben. Ist die Entscheidung über die Tierart noch offen, wäre eine gute Beratung mit den verschiedenen Vor- und Nachteilen umso wichtiger. Unter zürchertierschutz.ch finden Familien wichtige Informationen.
Noch ein letzter Rat?
Immer, wirklich immer sind die Erwachsenen verantwortlich fürs Tier. Egal, was das Kind vorher verspricht.