
Baby led weaning
Fingerfood für Babys
Von Redaktion
Nur Breifüttern war gestern – heute knabbern Babys lieber fast zahnlos an Gemüsewaffeln. Wir zeigen euch drei gesunde Rezepte und worauf ihr beim breifreien Essen achten solltet.
Breifrei», «Baby-Led Weaning (BLW)» oder eben «babygeführte Entwöhnung», bedeutet Fingerfood für die Kleinsten. Statt Kürbis-Kartoffelbrei zuerst einzumachen, dann wieder aufzuwärmen und zu verfüttern, wird dem Baby im Hochstuhl direkt weich gedämpfter Kürbis mit Kartoffelstücken serviert. Ob es diese isst oder lieber mit der Faust zerstampft, ist dabei am Anfang völlig egal.
Essen mit den Händen
Ums Sattwerden geht es (noch) nicht. Sondern darum, die Geschmäcker, Konsistenzen und Aromen kennenzulernen. Den Löffel kann man also grad wieder einpacken. Gegessen wird mit den Händen, in den Mund kommt nur, was der oder die Kleine auch selbst dorthin bugsiert. Nachdem sich der Nachwuchs mit all den neuen Geschmäckern auf der Zunge vertraut gemacht hat, wird er mit der Zeit auch satter davon. Klingt eigentlich alles recht logisch. Einiges gilt es aber trotzdem zu beachten, wenn man ein breifreies Baby möchte.
Mit dem Baby-Fingerfood beginnen kann man etwa ab sechs Monaten. Wichtiger als das Alter ist aber, ob das Kind reif dafür ist.
Ist mein Baby reif für Fingerfood?
1 Das Baby kann seinen Kopf stabil halten.
2 Es kann aufrecht sitzen, zuerst auf dem Schoss, dann auch im Hochstuhl. Kippt das Baby im Sitzen zur Seite, ist es noch nicht bereit.
3 Der Zungenstossreflex ist weitgehend verschwunden. Solange dieser Reflex noch da ist, wird alles mit der Zunge automatisch wieder aus dem Mund geschoben.
4 Die Hand-Mund-Koordination ist so weit ausgereift, dass das Baby selbstständig nach einem Lebensmittel greifen und dieses zum Mund führen kann.
5 Das Baby macht Kaubewegungen. Dazu muss es noch nicht unbedingt Zähnchen haben, denn auch mit den Kauleisten kann es schon ziemlich kräftig «zubeissen». Die Zunge hilft ebenfalls beim Zerkleinern der Nahrung.
6 Das Kind interessiert sich für das Geschehen am Esstisch und greift nach Lebensmitteln.
Drei Rezepte-Tipps
Kichererbsen-Taler

Zutaten für ca. 12 Stück
1 Dose Kichererbsen
½ Scheibe trockenes Brot
2–3 Blättchen frische Minze nach Belieben wenig gepressten Knoblauch wenig Gewürz, z.B. mildes Paprikapulver, Kreuzkümmel, Kardamom oder Koriander
Olivenöl
Zubereitung
1 Den Ofen auf 180°C vorheizen und ein Backblech mit Backtrennpapier auslegen.
2 Die Kichererbsen abspülen und abtropfen lassen.
3 Das Brot in Stücke reissen und in lauwarmem Wasser einweichen.
4 Das eingeweichte Brot ausdrücken und zusammen mit den Kichererbsen, der Minze, den Gewürzen und evtl. dem gepressten Knoblauch grob pürieren.
5 Mit angefeuchteten Händen kleine Bällchen formen und diese mit dem Löffelrücken flach drücken.
6 Wenig Olivenöl auf das Backtrennpapier giessen und die Taler darin wenden.
7 Die Kichererbsen-Taler während ca.25 Minuten goldbraun backen. Nach der Hälfte der Backzeit wenden.
Vier Regeln gegen das Verschlucken
1 Das Baby muss bei den Mahlzeiten aufrecht sitzen. In einer Babywippe, im Buggy oder in der Babyschale im Auto liegt es nach hinten geneigt, sodass die Gefahr des Verschluckens viel grösser ist.
2 Achtung: Das Baby beim Essen nie allein lassen.
3 Ablenkungen verhindern, damit sich das Baby ganz auf das Erforschen der Lebensmittel und das Essen konzentrieren kann.
4 Dem Baby keine Lebensmittel direkt in den Mund geben und auch grössere Geschwister anweisen, dies nicht zu tun. Wenn das Kind sich das Essen selbst in den Mund führt, kann es viel besser kontrollieren, wie es damit umgehen muss, damit es sich nicht verschluckt.
Kokosmilch-Reis-Bällchen mit Aprikosen

Zutaten für ca. 20 Stück
1 dl Wasser
1 dl Kokosmilch
50 g Rundkornreis
2 Aprikosen, entsteint (ca.90 g) nach Belieben wenig Ceylon-Zimt oder gemahlene Vanille
2 EL Kokosraspel
Zubereitung
1 Den Rundkornreis vor der Zubereitung abspülen, bis das Wasser klar ist.
2 Wasser, Kokosmilch und Reis in eine Pfanne geben, aufkochen und unter Rühren zu einem dicken Milchreis einkochen. Bei Bedarf etwas mehr Wasser oder Kokosmilch beigeben.
3 Die Aprikosen waschen, in kleine Stücke schneiden und mit wenig Wasser und evtl. wenig CeylonZimt oder gemahlener Vanille weich dämpfen. Anschliessend mit dem Pürierstab fein pürieren.
4 Den Kokosmilchreis, das Aprikosenpüree und die Kokosraspel gut mischen und vollständig auskühlen lassen.
5 Aus der ausgekühlten Reismasse kleine Bällchen formen.
Süsskartoffel-Poulet-Bällchen mit Rosmarin

Zutaten für ca.20 Stück
150 g Süsskartoffel
250 g gehacktes Pouletfleisch einige Rosmarinnadeln
2 EL feine Haferflocken
Zubereitung
1 Den Backofen auf 180°C vorheizen und ein Backblech mit einem Backtrennpapier belegen.
2 Die Süsskartoffel waschen, schälen, in Stücke schneiden und zusammen mit den Rosmarinnadeln in einem Cutter fein hacken.
3 Alternativ kann man die Süsskartoffel an der Bircherraffel fein reiben und die Rosmarinnadeln mit einem Küchenmesser fein schneiden.
4 Alle Zutaten gut mischen und die Masse kurz durchziehen lassen. Falls sie zu weich ist, etwas mehr Haferflocken beigeben und noch einmal ziehen lassen.
5 Mit angefeuchteten Händen kleine Bällchen formen und auf das Backblech setzen.
6 Die Fleischbällchen ca.20 Minuten backen, bis sie leicht gebräunt sind.
Nichts für hungrige Babys
Wie schnell ein Baby vom Erforschen der Lebensmittel zum «richtigen» Essen übergeht, ist individuell. In der ersten Zeit wird das Kind weiterhin hauptsächlich von den Brust- oder Flaschenmahlzeiten satt. Es kann mehrere Monate dauern, bis die Milchmenge, die es zu sich nimmt, merklich weniger wird. Möglicherweise verspeist das Baby aber auch schon bald mit Begeisterung grössere Mengen an fester Nahrung.
Solange das Kind das Essen vorwiegend erforscht, sollte man es ihm nicht anbieten, wenn es so richtig hungrig ist. Am besten gibt man ihm eine kleine Milchmahlzeit, bevor man ihm am Familientisch eine Auswahl von drei bis vier interessanten Lebensmitteln präsentiert.
Mit grossen Stücken beginnen
Je kleiner das Baby, desto grösser müssen die Stücke sein. Denn zu Beginn hält es die Lebensmittel in der geschlossenen Faust (Palmargriff ) und kann nur das in den Mund stecken, was über die Faust hinausragt. Im Alter von sechs bis acht Monaten sollten die Eltern deshalb Stücke anbieten, die etwa zwei Zentimeter breit und etwa sieben Zentimeter lang sind. BLW-Ratgeber empfehlen, Gemüse- und Obststücke mit einem Wellenmesser zu schneiden, damit sie nicht leicht aus der Hand rutschen. Zwischen dem neunten und elften Monat lernen die meisten Babys, den Pinzettengriff anzuwenden. Damit gelingt es ihnen, Lebensmittel mithilfe von Daumen und Zeigefinger zu greifen. Nun kann man dem Kind auch kleinere Stücke anbieten. Allerdings sollten diese immer noch gross genug sein, damit es darauf herumkauen kann, ohne sich in die Finger zu beissen. Irgendwann beherrscht das Baby den Pinzettengriff so gut, dass es problemlos Erbsen und Reiskörner vom Tisch klauben kann.
Welche Nahrungsmittel?
Heute wird nicht mehr dazu geraten, mögliche allergieauslösende Lebensmittel im ersten Lebensjahr zu meiden. Achtet darauf, ob beim Kind nach dem Essen Reaktionen auftreten, insbesondere, wenn in der Familie Allergien bekannt sind. Da die Lebensmittel einzeln und nicht als Brei angeboten werden, lässt sich relativ einfach herausfinden, welche Nahrungsmittel Reaktionen auslösen.
Im Internet und in Kochbüchern findet man unzählige BLW-Rezepte. Viele dieser Gerichte enthalten Eier, Kuhmilch, Fleisch, Hülsenfrüchte und Käse – also eine Menge Proteine. Diese sind für das gesunde Wachstum des Kindes zwar wichtig, die Mahlzeiten sollten dennoch nicht allzu proteinreich ausfallen. Gemäss den aktuell geltenden Empfehlungen sollten Babys im ersten Lebensjahr noch keine eiweissreichen Milchprodukte wie Käse und Quark essen, weil überschüssiges Eiweiss im Körper in Harnstoff umgewandelt wird. Die Nieren eines Babys sind noch nicht in der Lage, grosse Mengen an Harnstoffen aus dem Blut zu filtern und auszuscheiden.
Brei und Fingerfood - beides geht
Überzeugte Vertreter:innen der BLW-Methode verzichten konsequent auf Brei. Das Baby soll selbst entscheiden können, was und wie viel es essen will. Und viel Zeit dafür bekommen, die Lebensmittel und Geschmäcker spielerisch zu erkunden. Natürlich spricht trotzdem nichts dagegen, die beiden Formen zu kombinieren. Wenn euer Baby Brei bekommt, kombiniert ihr beide Ernährungsformen früher oder später ganz automatisch mit einem Stück Banane zum Zvieri, einer Brotrinde, auf der es herumkauen kann oder einem Schnitz Wassermelone an einem heissen Sommertag.
Dieser Text ist eine Kooperation mit swissmom.ch. Weitere Rezepte und Informationen finden sich hier..
Buchtipp
Baby-Led Weaning – Das Grundlagenbuch. Der stressfreie Beikostweg. Gill Rapley und Tracey Murkett.Verlag Kösel, Fr.34.–.