Hördefizite bei Kindern
Stille Welt

«Ich ghöre es Glöckli, das lüütet so nett»: Neugeborenes Baby.
Rund 100 Kinder kommen in der Schweiz jedes Jahr fast taub auf die Welt. Was tun, wenn die Diagnose das eigene Kind trifft?
Hördefizite bei Kindern
«Ich ghöre es Glöckli, das lüütet so nett»: Neugeborenes Baby.
Etwa 1 bis 3 von 1000 Kindern sind von Geburt an hörbeeinträchtigt. In der Schweiz wird deshalb seit einigen Jahren bei Neugeborenen ein Hörscreening gemacht. Noch im Wochenbett kontrolliert der Kinderarzt mit einer Sonde, ob die Haarzellen im Innenohr des Kindes auf Geräusche reagieren. 90 Prozent der Kinder werden so erfasst. In kleineren Spitälern, im Geburtshaus oder bei Hausgeburten wird der Test nicht durchgeführt. «Diese Eltern sollen ihn innerhalb der ersten vier Wochen vom Kinderarzt oder von einem Ohrenarzt nachholen lassen», sagt Dorothe Veraguth, Leitende Ärztin an der ORL-Klinik des Universitätsspitals Zürich. Das Hörscreening ist schmerzlos und dauert kaum fünf Minuten. Attestiert es dem Kind ein gutes Gehör, kann eine angeborene Schwerhörigkeit praktisch ausgeschlossen werden, sagt die Fachärztin.
Ist eine Schwerhörigkeit angeboren, liegt in den meisten Fällen eine irreversible Schädigung des Innenohrs vor, der Hörnerv ist aber selten betroffen. Zwei Therapieformen kommen infrage: Hörgeräte oder Cochlea-Implantat (CI), eine technisch hoch entwickelte Hörhilfe, die aus einer in die Hörschnecke implantierten Elektrode und einem äusserlich getragenen Sprachprozessor besteht. «Ideal ist, wenn das Kind mit sechs Monaten ein Hörgerät oder ein CI erhält», sagt Dorothe Veraguth, «sich normal entwickelnde Kinder lernen dann so gut sprechen, dass man ihrer Sprache die Hörschädigung kaum anhört.» Dass die 20 Kanäle des CI Sprache und vor allem Musik nicht gleich gut reproduzieren, wie dies die 20 000 Haarzellen im gesunden Ohr tun, liegt auf der Hand. Beim Singen und Musikhören sind CI-Träger handicapiert. Kinder, welche frühzeitig die Implantate erhalten, können oft einen normalen Kindergarten besuchen, Spezialschulen sind für sie selten nötig.
Hörbeeinträchtigungen können angeboren sein, treten aber auch im späteren Leben auf.