Aus dem Vaterland
«Pinguine mit Brüsten. Genial!»

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Kein Kind schaut sich heute mehr «Thundercats», «Captain Future » oder «Masters of the Universe » an. Diese Kindersendungen wurden längst von besser animierten, schnelleren, aber auch seelenloseren Trickfilmen abgelöst. Das ist schade, aber auch logisch, wenn man den Sprung betrachtet, den die Technik in den letzten Jahren gemacht hat. Heute wirkt das, was ich als Kind ab und zu sehen durfte – Knight Rider, A- Team, Airwolf – fast schon lächerlich: schlechte Schauspieler, mieser Plot, unterirdische Effekte. War der Blue-Screen-Effekt in «Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft» anno 1989 noch ein Kracher, lockt er heute keine müde Eule mehr aus dem Wald. So gehen Kulte vergessen. Ich habe darum beschlossen, Nachhilfe zu geben und Bildungslücken zu schliessen. Zum Beispiel habe ich meinem Stiefsohn Ben «Werner beinhart» gezeigt. Er war, wie erwartet, begeistert. Und zitierte, wie wir früher, Tage später noch daraus: «Jaja heisst ‹Leck mich am Arsch›». Ohne mich hätte Ben Werner wohl nie entdeckt: Der Film kommt kaum mehr am Fernsehen und: Wer schaut heute überhaupt noch TV?
«Otto – der neue Film» liess Ben wiederum ziemlich kalt – aber fanden wir damals nicht auch vorwiegend seine Grimassen und Stimmenimitationen lustig? Nächster Versuch: Erste Allgemeine Verunsicherung, ich habe sie als Kind geliebt. Musik auf Deutsch und es gab lustige Zeichnungen dazu, Pinguine mit Brüsten und so. Genial. Bens Reaktion: «Die singen ja nur.» Nicht mal die eine Seite der Kassette hat er zu Ende gehört. Auch Peach Weber fand er nur bedingt lustig (kann man es ihm verübeln?). Ein paar Mal hat er zwar noch «ich cha nöd jöödele» gesummt, aber das liegt vermutlich eher daran, dass Peach-Weber-Lieder mit ihren höchstens vier Akkorden ohnehin sehr eingängig sind.
Einmal habe ich Ben und einigen Klassenkameraden eine Benny-Hill-DVD gezeigt. Verfolgungsjagden zu Fuss in High-Motion. Natürlich haben sie gelacht. Dummerweise wurde es schlüpfrig, wie bei Benny Hill früher oder später immer, und als die Krankenschwester beim Strip-Poker mit Hill nur noch die Unterwäsche anhatte, ging ein «Wäh» durch die Stube, mobilisierte meine Freundin, die mir energisch zu verstehen gab, ich solle das abstellen, sonst hiesse es überall «beim Ben zu Hause haben wir nackte Frauen geschaut». Was ich dann auch einsah.
Nach dem Tod von Robin Williams reanimierte ich den Peter-Pan-Verschnitt «Hook». Ben war begeistert – und gerührt. Und auch Lucky Luke und Feivel, der Mauswanderer gefielen ihm. Im Vergleich zu heutigen Filmen wirken diese schon fast meditativ: wenig Handlung, viel Erzählung, etwas Musik. Und auch die rund 70 Minuten Spiellänge scheinen mir für Kinder gesünder zu sein als die derzeit angesagten 1,5 Stunden Dauer-Action.
Richtig stolz war ich, als Ben meine Mani-Matter-CD während Wochen rauf und runter gehört hat. Die «Vater & Sohn»-Comics hat er immerhin ungefähr eine Woche lang sehr genau inspiziert. Und die Glatzköpfe aus Momo haben ihn ebenfalls beeindruckt (sein Schulfreund wollte den Film nicht weiterschauen, so langweilig fand er ihn).
Zwar habe ich einige Bildungslücken versiegeln können, etliche klaffen aber noch. Zum Beispiel Popeye, Nils Holgersson, Die unendliche Geschichte, Tom & Jerry. Jede Menge Klassiker, die Ben nicht kennt. Ich bin gespannt, was hängenbleibt.