
Familienleben
Oh Schreck! Das Stofftier ist weg!
Eltern wissen: Nichts stürzt Kinder tiefer ins Tal der Tränen als der Verlust des geliebten Kuscheltiers. Was Eltern alles tun, wenn das Unglück passiert, haben sie uns erzählt. Geschichten zum Schmunzeln und Mitfiebern.
«Von allen Kuscheltieren war es die Häsin Lena, die meinen Sohn überallhin begleiten durfte. So war es auch keine Frage, dass sie beim Kindergeburtstag mit dabei war, als wir auf dem Spielplatz feierten. Nach der Party gingen wir vollgepackt mit Geschenken, Picknickkörben und Kuchenresten nach Hause. Niemand dachte mehr an Lena. Auch mein Sohn nicht. Er war so müde, dass er das Fehlen seines Lieblingshasen auch beim Einschlafen nicht bemerkte. Aber ich. Also ging ich mit einer Taschenlampe bewaffnet nochmals auf den Spielplatz zurück und suchte Lena. Aber leider war sie weg. Ich ärgerte mich, weil ich am Morgen noch mit meinem Sohn darüber diskutiert hatte. Ich fand es keine gute Idee, dass Lena am Geburtstag teilnahm. Aber was nützte mir das jetzt? Während mein Sohn friedlich schlief und seine Geburtstagsfeier verdaute, fing ich an, Suchanzeigen auf den sozialen Medien aufzusetzen, bastelte eine Vermisstmeldung und ging nochmals raus, um diese – mitten in der Nacht – im Quartier aufzuhängen. Drei Tage später rief mich eine junge Frau an und sagte, sie hätte genau dieses Kuscheltier zu Hause und würde es meinem Sohn spenden. Mein Aufruf hatte sie so gerührt, dass sie uns ihr Kuscheltier vermachte. Mein Sohn merkte zum Glück nicht, dass Lena eigentlich eine andere war.»
Melanie K., Bern
«Von einer älteren Freundin hat mein Sohn einen kleinen Tiger geschenkt bekommen. Tigerli wurde sofort zum Lieblingstier und weil er eher klein war, konnte er ihn auch fast überallhin mitnehmen. Tigerli war nun aber nicht gerade von bester Qualität. Schon beim ersten dringend notwendigen Waschgang verlor er alle Streifen. Ich wusste, das würde zu Tränen führen: Ein Tiger ohne Streifen war doch kein Tiger mehr. Ich malte Tigerli darum in einer Nacht-und-Nebel-Aktion seine Streifen wieder auf. Und das dann mehrmals jährlich! Mein Sohn hat es wohl schon bemerkt, aber Tigerlis Frischekur nie kommentiert.»
Katja F., Egnach
«Bei meinem dritten Kind wusste ich, die Stofftiersache braucht von Anfang an einen Notfallplan. Als sich ein Lieblingstier abzeichnete – ein kleiner Stoffhund namens Wautzi – kaufte ich davon vier Exemplare und verstaute sie irgendwo tief in unserem Schrank. Offensichtlich nicht tief genug! Mein Sohn fand die Kiste mit den Ersatz-Wautzis und war komplett begeistert von diesem spontanen Familienzuwachs von Wautzi 2–5. Der Versuch, ihm zu erklären, dass diese Wautzis im Schrank wohnen müssten, als Ersatz für Wautzi 1, scheiterte kläglich in einem Weinanfall und dem Entsetzen meines Sohnes über meine Grausamkeit, Stofftiere in Schränke zu sperren. Wir lebten fortan mit sehr vielen Wautzis, und wie durch ein Wunder ging nie auch nur einer verloren.»
Michelle D., Weinfelden
«Wir waren noch müde vom Jetlag und standen noch ganz am Anfang unseres Roadtrips durch Florida. Auf dem Weg nach Orlando parkten wir unser Mietauto auf einem Walmart Parkplatz, um dort eine Kühlbox und Eis für unsere Getränke zu kaufen. Es war Mittag und brechend heiss. Nach zehn Minuten kamen wir in Flip-Flops und Badehose samt Kühlbox zurück und stellten mit Entsetzen fest, dass unser ganzes Auto komplett leer war. Die Diebe haben es am helllichten Tag aufgebrochen und einfach alles mitgenommen. Kameras, Bargeld, elektronische Geräte und unser gesamtes Gepäck. Zuerst nahmen wir es sportlich, bis wir bemerkten, dass Ele, Maltes Elefant und treuester Reisebegleiter, ebenfalls fehlte. Die Situation kippte sofort und bittere Tränen flossen. Als wir dann wieder zu Hause waren, fand ich anhand von Fotos den Hersteller von Ele heraus und kontaktierte den Kundendienst der Firma Heunec. Die Dame am Telefon war sehr betroffen und bat mich, ein Foto von Ele zu schicken. Sie rief mich dann zurück und meinte, dieses Modell wäre schon längst vergriffen. Während wir sprachen, kam ihr aber die Idee, im hauseigenen Archiv nachzuschauen. Sie rief mich zurück. Sie hatte den Elefanten tatsächlich gefunden. Sie schenkte ihn uns und wir erzählten Malte, dass Ele eine abenteuerliche Reise in Amerika erlebt hat und wie durch ein Wunder, wie neugeboren, nach Hause zurückgekommen ist.»
Thorsten H., Berlin
«Weissli ist jetzt grau. Kein Wunder: Das kleine Kuschelschäfchen wurde von meinem Sohn so oft durch Pfützen geschleift, auf sandigen Spielplätzen vergraben oder in den Orangensaft getunkt, dass es seinem Namen leider keine Ehre mehr macht. Und trotzdem. Weissli ist überall mit dabei und hat mit jedem Waschgang seine Form verändert. Anfangs war Weissli noch mit Styroporkügelchen gefüllt, aber mittlerweile fülle ich ihn mit Stopfmaterial, das ich extra in der Waschküche deponiert habe. Meinen Sohn scheint die ständige Veränderung seines in die Jahre gekommenen Schäfchens nicht zu stören. Er liebt Weissli so, wie er gerade ist.»
Veronika M., Luzern
«Frieda, heute zehn Jahre alt, hat seit ihrer Geburt einen Kuschelfrosch. Ohne ihn kann sie nicht einschlafen. Froggy hat uns immer und überall hin begleitet. Einmal sogar bis nach New York. Eines Abends kamen wir von einem sehr langen Tag in der Stadt nach Hause und wollten ins Bett. Aber Froggy war weg ! Wie vom Erdboden verschluckt. Frieda war untröstlich. Wir gingen dann mit dem weinenden und völlig erschöpften Mädchen zur Rezeption und fragten, ob sie einen Frosch bei uns im Bett gefunden hätten. Eine sehr absurde Situation. Leider konnten die verdatterten Menschen an der Rezeption auch nicht weiterhelfen und so musste Frieda zum ersten Mal ohne ihren Frosch einschlafen. Ein Albtraum. Doch am nächsten Morgen klopfte es und jemand streckte Froggy durch den Türspalt. Die Reinigungskraft sagte mit verstellter Stimme: ‹Hello and good morning Frieda, I’m back.› Offenbar hatte der Frosch über Nacht einen Ausflug in die Wäscherei gemacht. Nach diesem Erlebnis kaufte mein Mann gleich drei solche Froschkuscheltiere, damit wir für die Zukunft gewappnet sind.»
Sabina M., Küsnacht
«Sophie bekam vom Zürcher Zoo ein Faultier geschenkt. Sie taufte es Hans und liebte es heiss und innig. Kurz vor den Sommerferien war sie mit Hans im Bus unterwegs und verlor ihn auf dem Nachhauseweg. Es war ein Riesenschock. Wir haben noch am gleichen Abend alle Stationen der Buslinie abgeklappert und am nächsten Tag sämtliche Fundbüros der Stadt angerufen. Aber Hans war verschwunden und im Zoo-Shop gab es keinen Ersatz. So mussten wir ohne Faultier in die Ferien. Das war hart. Unsere Nachbarn hatten so grosses Mitleid, dass sie ohne unser Wissen im Internet nach einem neuen Hans suchten. Tatsächlich fanden sie ein Exemplar und bestellten es. Sie fotografierten Hans und kreierten mithilfe von Photoshop verschiedene Postkartensujets aus aller Welt. Auf den Bildern sah man ihn, wie er vor verschiedenen Sehenswürdigkeiten aus aller Welt posierte. Als wir dann aus den Ferien zurückkamen, sass Hans vor unserer Tür, war frisch geduscht und trug einen Rucksack mit einem Fotoalbum drin. Sophie war überglücklich, dass sie ihren Hans wieder hatte. Sie schaut sich die Bilder von seiner Weltreise bis heute an.»
Seraina L., Zürich