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Tipps für den Stillkissen-Kauf
Ein Kissen zum Stillen und mehr
Von Marianne Botta Diener
Kaum ist ein Stillkissen im Haus, wird es gebraucht – nicht nur zum Stillen. Beim Kauf sollte man auf gute Qualität achten.
Die 13-jährige Sarah braucht es zum Lesen der Harry-Potter-Bücher. Die 5-jährige Anna schützt mit ihm ihre Barbies vor den Annäherungsversuchen ihres jüngsten krabbelnden Bruders; und abends, vor dem Fernsehgerät, streiten sich Mami und Papi um das tolle Stück. Ach ja, und übrigens hilft es der werdenden Mutter beim bequemeren Einschlafen und später, wenn das Baby da ist, beim Finden der richtigen, entspannten Stillposition.
Keine Frage, sobald ein Stillkissen im Haus ist, will es niemand mehr missen. Es begleitet Familien in der Regel ab Mitte Schwangerschaft bis weit ins Teenie-Alter des Nachwuchses. Umso wichtiger ist es, einen guten Kauf zu tätigen und zuvor gewisse Überlegungen anzustellen. Ein qualitativ hochwertiges Stillkissen kostet je nach Füllung zwischen Fr. 70.– und 150.–, dazu kommen die Kosten für einen oder mehrere Stoffbezüge.
Ein wichtiger Punkt ist die Füllung. Denn ein Stillkissen sollte weich und bequem, gleichzeitig aber auch fest sein, um seine Benutzer entsprechend ihrer Wünsche stützen zu können. Diese Varianten stehen zur Wahl: Am häufigsten werden Stillkissen mit einer Polystyrolkügelchen-Füllung gekauft. Diese sogenannten EPS-Perlen machen die bis zu 2 Meter langen Kissen angenehm leicht und flexibel.
Achtung Styrol
Doch sie können einen gravierenden Nachteil haben: aufgeschäumter Polystyrol wird aus dem krebserregenden Styrol hergestellt. Davon verbleibt ein kleiner Rest in den Kügelchen, der langsam verdunstet. Das deutsche Magazin «Öko-Test» nimmt deswegen seit Jahren Stillkissen unter die Lupe respektive ins Labor. Denn es geht auch ohne Styrolrest in den fertigen Kissen. Seriöse Anbieter teurerer Kissen etwa garantieren, dass kein Styrol mehr ausgast.
Der Inhalt der CorpoMed-Kissen, welche im Öko-Test mit «sehr gut» abgeschnitten haben, wird beispielsweise in einem speziellen Prozess mit Wärme und starker Beluftung so behandelt, dass sich bis zum Abfüllen keine nachweisbaren Gase mehr in den Kügelchen befinden. Dies wiederum verteuert die Herstellung der Kissen etwas. Wer aus Spargründen ein stechend riechendes Stillkissen kauft, geht jedoch für sich und sein Kind ein gesundheitliches Risiko ein.
Auf Nummer sicher gehen auch Käufer von Stillkissen, die mit Getreideschalen gefüllt sind. Prolana und Hess Natur bieten in der Schweiz solche Kissen an. Am häufigsten wird Dinkelspelz verwendet, gelegentlich auch eine Mischung aus Dinkel- und Hirsespelz. Damit gefüllte Rollen sind sehr anpassungsfähig und formstabil. Ausserdem nehmen sie während des Gebrauchs langsam die Körperwärme der Benutzer auf, speichern diese optimal und sind so für längere Zeit angenehmd warm.
Bis vier Kilo schwer
Allerdings haben sie zwei Nachteile: Sie knistern (die mit Dinkel und Hirse gemischten etwas weniger), wenn man sich bewegt oder ihre Form zurecht büschelt. Und sie sind rund doppelt so schwer wie mit EPS-Perlen gefüllte – ein grosses Dinkelspreu-Stillkissen kann bis zu 4 kg wiegen. Eine weitere Alternative, ähnlich leicht wie mit EPS-Perlen gefüllte Kissen und ebenso natürlich wie Getreidespelzkissen, sind die mit Wollkügelchen gefüllten Stoffwürste.
Sie saugen die durch den Gebrauch entstehende Feuchtigkeit optimal auf. Wirklich nass dürfen sie jedoch nicht werden, da sie nur schlecht wieder trocknen. Auch sind sie weniger flexibel als die bereits beschriebenen Varianten, Babys liegen darauf eher wie auf einem Wattekissen. Andererseits sind sie ebenfalls recht warm und angenehm.
Für welche dieser Füllungen werdende Eltern sich entscheiden: Ein zweiter Stillkissenbezug muss auf jeden Fall sein. Erstens wissen Eltern nie, ob das Baby ein Speikind wird und der Bezug regelmässig in die Waschmaschine wandern muss. Zweitens wird das Leben ohne Stillkissen ganz schön mühsam, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat. Und so verständlich zu Beginn der Wunsch nach einem Babysujet sein mag – auf dem Sofa macht sich in den kommenden Jahren ein Taft-, Samt- oder Kuhfellimitatbezug besser als einer mit bunten Blümchen und Tierchen. Also lohnt sich auch in dieser Hinsicht, schon beim Kauf darauf zu achten, welche Sujets der Anbieter im Sortiment hat.
Tipps für den Stillkissenkauf
Wer sich für den Kissenkauf entschliesst, sollte im Geschäft (falls vorhanden) alle Füllvarianten testen, um herauszufinden, welche einem behagt:
- Wie kommen Sie in den unterschiedlichsten Stillpositionen mit dem Zurechtdrücken des Kissens klar? Dies sollte mit einer Hand möglich sein, da die andere das Baby stützen wird.
- Wie wichtig ist Ihnen das Gewicht des Kissens? Ein schweres Kissen kann vor allem nach einem Kaiserschnitt mühsam in der Handhabung sein.
- Wie ist es mit dem Geräusch? Je nachdem empfinden Sie das leise Knistern als beruhigend oder störend, vor allem, wenn Sie das Kissen während der Schwangerschaft zum Lagern im Bett verwenden.
- Wie viel Zeit möchten Sie in die Kissenpflege investieren? Bedenken Sie, dass Getreidespelzkissen regelmässig gelüftet werden müssen, damit sich keine schädlichen Schimmelpilze bilden.
- Bietet der Hersteller das Material zum Nachfüllen oder zum Ersetzen alter Füllungen an? Nur Kissen mit EPSPerlen können gewaschen werden – und alle Füllungen fallen mit der Zeit mehr oder weniger stark zusammen.
- Wie gefallen Ihnen rein optisch das Kissen und die verschiedenen Bezüge?