
Rita Messmer
Trocken werden
Weg mit den Windeln: Wie begleite ich mein Kind?
Vorbild und Nachahmung sind die Zauberworte beim Töpfchen- und Toilettentraining.
- Nicht für jeden Geschmack, aber auch eine Methode: Vor dem Wickeln das wenige Tage alte Baby über die Toilette oder über eine Schüssel halten, die beim Wickeltisch bereit steht. Kleine Babys kann man bequem im Arm halten, grössere Kinder an den Oberschenkeln, die Beine etwas gespreizt, den Rücken am eigenen Körper abstützen. Oder man fasst sie unter den Armen, die Füsse können sie auf den Rand stellen.
- Ist das Kind schon etwas älter und zeigt oder sagt, dass es aufs Klo will, trauen Sie es ihm zu und lassen Sie die Windeln weg. Nehmen Sie dabei auch mal eine Pfütze im Wohnzimmer in Kauf. Oft spüren Kinder erst ohne Windeln, dass unten etwas läuft. Super für den Beginn der Windelentwöhnung sind die warmen Jahreszeiten.
- Das Kind soll sich ohne fremde Hilfe von den Kleidern freimachen können. Eine Hose mit elastischem Bund ist ideal, ohne Knöpfe, Reissverschlüsse oder Träger.
- Die Hose runterziehen ist leicht, sie wieder hochziehen kompliziert, weil der Bund hinten am Po hängen bleibt. Zeigen Sie ihrem Kind, dass es den Hosenbund mit der einen Hand hinten fassen und hochziehen kann.
- Für Kinder sind gross und klein machen eine interessante Sache. Wenn es will, lassen Sie es dabei sein und das Resultat anschauen, wenn Sie auf dem Klo sind. Runterspülen und das Häufchen auf eine Reise schicken ist ein spannender Vorgang, den man bildhaft beschreiben kann. Das alles ist weder eklig noch peinlich. Oben rein, unten raus. Ganz normal.
- Kinder mögen es, auf dem Töpfchen zu sitzen, während Mama oder Papa auf der Toilette sind.
- Will das Kind nicht auf den Topf, weil die Eltern und Geschwister auch das Klo benutzen, schaffen Sie sich einen Toilettenring an. Der garantiert wackelfreies Sitzen. Mit einem Schemel für die Füsse kann es entspannt sein Geschäft verrichten.
- Fragen Sie immer wieder mal nach, ob es Pipi machen muss. Sagt es «Nein», akzeptieren Sie das. Die Selbstbestimmung, die ein Kind in diesem Moment über seine Blase übernimmt, ist wichtig. Zwingen Sie ihm den Klogang nicht auf, auch wenn Sie wissen, dass es viel getrunken hat. Fragen Sie einfach in zehn Minuten wieder nach.
- Machen Sie es zur Normalität: Der Gang aufs Klo vor dem Zubettgehen gehört genauso zum Abendritual wie waschen und Zähne putzen. Aber auch hier ohne Zwang. Achten Sie darauf, dass das Kind eine Stunde vor dem Zubettgehen nicht mehr viel trinkt. Eine Matratzenauflage verhindert durchnässte Betten.
- Vielleicht setzen Sie Ihr Kind, bevor Sie selber zu Bett gehen, nochmal aufs Klo? Oft erwachen die Kleinen dabei nicht oder nur halb und haben am Morgen keine Erinnerung daran.
- Zur Normalität gehört auch der Gang auf die Toilette, bevor man das Haus verlässt. Ersatzkleider mitnehmen. Möchten Sie unterwegs eine Panne vermeiden, sind Windelhöschen eine gute Idee.
- Kinder lieben es, wenn ihr Lieblingsstofftier oder ihre Puppe neben ihnen auf einen Topf sitzt. Auch attraktiv sind Töpfchensitzungen mit Gspänli.
- Informieren Sie die Kita-Betreuung, dass Ihr Kind jetzt das Sauberwerden übt. Die Bemühungen werden in den meisten Kitas gerne unterstützt.
- Lassen Sie Ihr Kind im Laden hübsche Unterwäsche aussuchen. Das motiviert die Kleinen, trocken zu werden – und zu bleiben.
Und schliesslich: Bleiben Sie gelassen, wenn die zweieinhalbjährige Tochter Ihrer Nachbarin schon trocken ist. Sie kann für Ihr Kind auch Motivation sein. Kinder streben danach, selbstständig zu werden. So wie die Grossen zu sein. Zwar gibt es immer besondere Fälle, etwa wenn ein Geschwisterchen geboren wurde oder Spannungen in der Familie bestehen. Viele Kinder werden aber innert wenigen Tagen oder Wochen tagsüber trocken. In der Nacht dauert es oft noch etwas länger. 75 Prozent aller Kinder sind bis Ende des dritten Lebensjahres tagsüber windelfrei, Ende des vierten Jahres meistens auch in der Nacht.
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