Fruchbarkeitsbehandlungen
Wenn Wunder ausbleiben

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Die Medizin schafft vieles – Kinder herbeizaubern jedoch nicht. So gross sind die Chancen, mit Hilfe schwanger zu werden.
Fruchbarkeitsbehandlungen
Von Anita Zulauf und Martina Schnelli
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In den Medien lesen wir von diesen Wundern, von Frauen, die mit 45 oder gar mit 60 noch Kinder auf die Welt gebracht haben. Dabei geht manchmal vergessen: Diese Frauen sind seltene Ausnahmen. Die Medizin kann heute zwar oft einem Paar zu einem Kind verhelfen. Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht.
Sogar bei einem gesunden Paar mit optimalen Bedingungen für eine medizinische Fruchtbarkeitsbehandlung liegt die Erfolgsquote lediglich bei 20 bis 30 Prozent pro Zyklus. Paare mit erschwerten Bedingungen sollten folglich von der modernen Medizin keine Wunder erwarten. Assistierende reproduktionsmedizinische Massnahmen können zwar die Wahrscheinlichkeit steigern, schwanger zu werden, doch am Ende entscheidet die Natur.
Die Erfolgsaussicht auf eine Schwangerschaft bei einer einfachen hormonellen Stimulation in Verbindung mit der Insemination liegt bei 15 bis 20 Prozent pro Zyklus. Allerdings gilt dies nur für Paare mit leichten Fruchtbarkeitsstörungen. Die Insemination bringt in diesem Fall den Vorteil, dass sich nur gut bewegliche und befruchtungsfähige Spermien in die Eileiter gelangen. Indem die Spermien direkt in die Gebärmutterhöhle geleitet werden, bleibt ihnen der beschwerliche Weg durch den manchmal zähen Schleim im Gebärmutterhals erspart.
In der Regel werden für eine Insemination drei Versuche geplant. Etwa 70 Prozent der behandelten Paare werden nach mehreren Behandlungszyklen schwanger.
Bei einer In-VitroF-Fertilisation liegen die Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft bei rund 25 Prozent pro Transfer, bei der ICSI-Methode (Intracytoplasmatischen Spermieninjektion) etwas höher. Bei der ICSI erhöht sich die Chance auf eine Befruchtung der Eizelle deshalb, weil die Samenzelle direkt in die Einzelle eingebracht wird.
ICSI wird häufig bei jüngeren und fruchtbareren Frauen angewandt, deren Mann eine Fruchtbarkeitsstörung aufweist. Die vorbereitenden Hormonbehandlungen sind bei IVF/ICSI intensiv. Die Patientin muss sich unter Umständen mehrmals täglich selbst Hormonspritzen verabreichen. Das Ziel der Behandlung ist es, mehrere Eizellen zu stimulieren, ohne dabei eine Überstimulierung zu erzeugen. Überstimulierungen können sehr schmerzhaft sein und in einigen Fällen gar einen Spitalaufenthalt bedingen. Wie bei der Insemination muss das Paar auch bei IVF/ICSI von mehreren Behandlungszyklen ausgehen.
Viele Paare erleben die medizinischen Verfahren als sehr belastend. Hoffen auf eine Schwangerschaft kann schnell in Verzweiflung umschlagen, wenn eine Schwangerschaft ausbleibt. In der Reproduktionsmedizin spricht man denn neben der Schwangerschaftsrate auch von der «Baby take home-Rate». Gerade bei Frauen mit Fertilitätsstörungen bzw. bei älteren Frauen ist das Risiko einer Fehlgeburt zum Teil deutlich höher als bei jüngeren Frauen. Bleibt der Kinderwunsch über längere Zeit unerfüllt, kann dies beim Paar eine schwerwiegende Krise auslösen. In der Regel bieten deshalb Kinderwunschzentren auch psychologische Beratungen für Paare mit bislang unerfülltem Kinderwunsch an.