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Produktetest
Zahnungshilfen im Test
Von Marianne Botta-Diener
Die Freude über den ersten Milchzahn wird oft getrübt von Schmerzen. Beissring & Co. schaffen Abhilfe.
Die ersten Milchzähne brechen im Alter von 6 bis 8 Monaten im Unterkiefer durch, die letzten mit 2½ bis 3 Jahren – jedes Kind hat seinen eigenen Rhythmus. Babys sind während des Zahnens oft reizbar und weinerlich oder leiden unter Schlafstörungen. Die häufigsten Symptome sind:
- vermehrter Speichelfluss, saugen, Beisslust
- Veränderung der Speichelzusammensetzung und Speichelmenge
- Verdauungsbeschwerden und oft etwas säuerlich riechender Stuhl
- häufigerer und etwas flüssigerer Stuhlgang, Rötungen am Gesäss
- erhöhte Temperatur
- leichter Ausschlag im Gesicht, genannt Flush
- leicht gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch.
Eltern leiden mit ihrem Baby mit. Um ihm das Zahnen zu erleichtern, gibt es unterschiedliche Zahnungshilfen. Deren Wirksamkeit ist allerdings kaum wissenschaftlich untersucht, wie Nadja Kellerhoff, Oberärztin auf der Abteilung für Kinderzahnmedizin der Universität Bern, betont. Sicher ist: «Babys verlangen in dieser Zeit viel Zuwendung und Nähe.» Kein Produkt kann diese ersetzen.
Wegen möglicher Allergiegefahr empfiehlt die Ärztin auf pflanzliche und chemische Zahnungshilfen zu verzichten und den natürlichen Vorgang des Zahnens mithilfe eines Beissrings zu unterstützen. Keinesfalls sollten Mütter dauernd Stillen oder das Baby nachts über am Fläschchen nuckeln lassen, da dies Karies begünstigt. Zudem gewöhnt sich das Kind daran, jedes Unbehagen durch Nahrungskonsum zu befriedigen, was wiederum zu Übergewicht führen kann.
Nicht jedes Unwohlsein ist aufs Zahnen zurückzuführen: «In dieselbe Zeit fallen häufig auch die ersten Infekte», erklärt Nadja Kellerhoff. Wenn ein Kind über mehr als 2-3 Tage unter Fieber, Durchfall oder Hautausschlägen leide, handle es sich höchstwahrscheinlich um eine entzündliche Erkrankung. Manche Eltern greifen in ihrer Verzweiflung und im Glauben, ihr Kind zahne, denn auch zu Medikamenten wie dem schmerzlindernden und fiebersenkenden Paracetamol (Dafalgan, Panadol) oder dem zusätzlich entzündungshemmenden Ibuprofen (Algifor u.a.). Derartige Schmerzmittel sollten aber immer sehr zurückhaltend, kurzfristig und in der richtigen Dosierung eingesetzt werden – und in Absprache mit dem Kinderarzt.

Was es ist: Befriedigt die Beisslust, massiert das Zahnfleisch. Jede Form der Massage fördert die Durchblutung und lindert den Schmerz. Bei Bedarf vorher im Kühlschrank kühlen. Alternative: Fingerzahnbürste aus Silikon. Vorteil: Durch das weiche Material und die abgerundeten Massageborsten kann das Baby spielerisch (Rassel) ans spätere regelmässige Zähneputzen gewöhnt werden. Nachteil: Kosten zirka 17 Franken. Fazit: Sehr sinnvoll, denn es hilft beim Durchbrechen der Zähnchen.

Was es ist: Kette aus poliertem, fossilem Baumharz. Vorteil: Keine Einnahme von Medikamenten nötig. Nachteil: Das Baby damit nicht unbeaufsichtigt lassen, weil sich einzelne Kügelchen lösen, verschluckt oder in die Nase gesteckt werden können. Neuere Modelle mit Magnetverschluss öffnen sich, wenn das Kind hängen bleibt. Kosten: ab zirka 30 Franken. Fazit: Wirksamkeitsstudien gibt es keine, sieht aber hübsch aus.

Was es ist: Stammt weder vom Veilchen ab, noch ist es eine Wurzel, sondern ein «Sprosssystem» einer Schwertlilienart, das einen leichten Veilchenduft verströmt. Vorteil: Natürlich, mit beruhigenden ätherischen Ölen. Nachteil: Wegen Schluckgefahr nur intakt an Schnullerkette verwenden, Baby damit nie unbeaufsichtigt lassen. Bakterienherd! Regelmässig austauschen oder auskochen. Kosten: ab ca. 9 Franken. Fazit: Bei guter Aufsicht empfehlenswert. Alternative: Ingwerwurzel.

Was es ist: Zahnungsgels enthalten meist entzündungshemmende, gerbende und schmerzlindernde Pflanzenextrakte wie Kamille, Salbei, Gewürznelken (oder gar Lokalanästhetikum). Bekannte Produkte: Dentinox, Tenderdol, Similasan, Osa, Weleda. Vorteil: lokal schmerzlindernd. Nachteil: können Überempfindlichkeit oder Allergien hervorrufen. Kosten: ab zirka 12 Franken. Fazit: kurzfristiger Einsatz möglich, bei Allergien sofort absetzen!

Schüssler-Salze: Alternativmedizinische Präparate von Mineralsalzen in homöopathischer Dosierung. Meist: Calcium Floratum, Calcium Phosphoricum, Ferrum Phosphoricum. Globuli: homöopathische Zahnungskügelchen Vorteil: sanft, komplementärmedizinisch wirksam. Nachteil: Bei homöopathischen Globuli darauf achten, dass die Trägersubstanz nicht Laktose, sondern Xylithol ist, Kariesgefahr. Kosten: ab zirka 10 Franken. Fazit: Zur Wirksamkeit gibt es keine wissenschaftlichen Studien – allein der Glaube daran kann Berge versetzen.

Was es ist: Pflanzliche Wirkstoffe, in Alkohol gelöst. Vorteil: Alkohol hat eine desinfizierende Wirkung. Nachteil: Alkohol kann auf einer gereizten Schleimhaut brennen, ist ungeeignet für Kinder! Kosten: ab zirka 12 Franken. Fazit: ungeeignet.