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Wenn die Blase brennt

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Wer alle fünf Minuten aufs Klo rennt, und dabei dennoch nur ein paar brennende Tropfen löst, der leidet vermutlich an einer Blasenentzündung.
Die Zystitis, wie sie im Fachjargon genannt wird, ist eine typische Frauenkrankheit. Die weibliche Harnröhre ist kurz und für Bakterien ein Katzensprung, um zur Blase aufzusteigen. Ist das der Fall, kann sich die Blasenschleimhaut entzünden.
Etwa zwei Drittel aller Frauen leiden in ihrem Leben mindestens einmal unter einer Blasenentzündung. Besonders anfällig sind Schwangere – zum einen aufgrund hormoneller Veränderungen, zum anderen weil während der Schwangerschaft die Harnwege erweitert sind. Breitet sich die Entzündung nach oben in Richtung Nieren aus, steigt das Risiko einer Fehlgeburt. Daher ist es wichtig, beim leisesten Verdacht auf Blasenentzündung den Frauenarzt aufzusuchen.
Allerdings bemerken oft gerade werdende Mütter einen Harnwegsinfekt anfänglich nicht. «Auch deswegen sind regelmässige Schwangerschaftskontrollen sehr wichtig», betont Annette Kuhn, Leiterin der Urogynäkologie am Inselspital Bern. In der Regel behandelt sie die Frauen mit Antibiotika, welche für das Ungeborene ungefährlich sind. Ähnliches gilt für die Stillzeit, in der Frauen ebenfalls anfälliger sind auf eine Blasenentzündung.
Ausserhalb einer Schwangerschaft kann eine Zystitis zu Beginn selbst behandelt werden. Verschlimmern sich jedoch die Symptome, entdeckt man Blut im Urin oder leidet unter starken Schmerzen in der Nierengegend, weist das darauf hin, dass sich die Entzündung in die oberen Harnwege ausbreitet – ein sofortiger Arztbesuch ist angezeigt.
Blasenentzündung – Was nun?
Selber behandeln:
- Wichtig: Viel trinken! 2–3 Liter pro Tag (spült die Blase). Harn treibende Teesorten: Bärentrauben, Birkenblätter, Brennessel (Bärentraube nicht für Kinder und Schwangere). Notfalls auch einfach viel Wasser trinken.
- Pro Tag 1–2 dl Cranberry- oder Preiselbeersaft (wirkt antibakteriell).
- Auf Kaffee und Alkohol verzichten.
- Sich ausruhen, Stress vermeiden.
- Wärmekissen auf Bauch legen.
Zum Arzt:
- Schwangere: sofort!
- Sonst: wenn nach zwei, drei Tagen keine Besserung eintritt.
- Dringend: wenn sich der Urin dunkel verfärbt oder darin Blut sichtbar wird, bei sehr starken Schmerzen, auch im Becken- und Rückenbereich.
- Vorbeugen: Intimpflege mit fettender Crème, viel trinken.
Auch Mädchen können an einer Blasenentzündung erkranken: «Vor der Pubertät fehlen dem Immunsystem die weiblichen Hormone, welche vor der Krankheit schützen», erklärt Annette Kuhn. «Zudem liegen beim Kind Harnausgang und After näher beisammen. Wenn nach dem Gang aufs WC verkehrt geputzt wird, also von hinten nach vorne, können Darmbakterien leicht in die Harnröhre gelangen.»
Mit mangelnder Hygiene habe eine Blasenentzündung jedoch nichts zu tun, betont die Fachärztin. Im Gegenteil: Zu viel Seife, Shampoos und Lotionen reizen die Schleimhaut und schaffen ein günstiges Milieu für Bakterien.
Hinter einer Zystitis kann aber auch eine Scheideninfektion stecken. In einer sexuell aktiven Phase beispielsweise kann plötzlich eine Blasenentzündung auftauchen, weil durch die Reibung beim Geschlechtsverkehr Darmbakterien leichter in die Harnröhre gelangen. Daher ist es ratsam, nach dem Sex als erstes Wasser zu lassen.
Ein Infektrisiko geht auch ein, wer sich ungenügend gegen Kälte schützt, beispielsweise zu lange den nassen Schwimmanzug anbehält oder im Park auf dem feuchten Boden sitzt. Bauchfreie Tops allerdings dürfen Teenager weiterhin tragen, aus schulmedizinischer Sicht tragen sie laut Annette Kuhn keine Schuld an einer Blasenentzündung.