Nach der Geburt kommts dicke! Die Muttermilch, die in den ein bis zwei Tagen nach der Geburt gebildet wird, heisst Vormilch oder Kolostrum. Sie ist gelb wie Butter, eher dickflüssig und enthält alle für das Kind wichtigen Stoffe in konzentrierter Form.

Gesundheit / Stillen
20 Fakten rund ums Stillen
Von Iwona Eberle
Wenn eine Frau ihr Kind nach der Geburt stillt, passiert ganz viel im Körper von Mutter und Baby. Ein wissenschaftlicher Blick auf ein Naturwunder.
Die Muttermilch wird nicht im ganzen Busen, sondern in der Brustdrüse gebildet, die aus 4 bis 20 Einzeldrüsen besteht. Deren Gewebe liegt grösstenteils in einem Radius von 3 cm um die Brustwarze herum.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, ein Baby sechs Monate lang voll zu stillen, danach mit Beikost bis zum zweiten Geburtstag oder darüber hinaus.
Viele Frauen fürchten hängende, weiche Brüste. Tatsächlich können die Brüste nach der Geburt schlaff werden. Das liegt aber hauptsächlich an der Schwangerschaft und nicht am Stillen. Meist findet der Busen wieder in seine Form zurück.
Muttermilch ist nicht steril, sondern ähnelt mehr einer Joghurtkultur. Forscher identifizierten darin 700 Bakterienarten, die für eine gesunde Darmflora sorgen.
Achtung, Hunger! Das Baby zeigt nicht erst durch Weinen, sondern schon viel vorher durch Schmatzen und Lecken der Lippen an, dass es trinken will.
Der Körper der Frau produziert in den ersten zwei Tagen nach der Geburt etwa 40 ml Muttermilch. Danach nimmt die Menge stetig zu. Ab dem elften Tag erreicht sie das Maximum von 700 bis 1000 ml.
Ohhhm! Stillmahlzeiten entspannen und beruhigen das Baby. Dafür sorgt das Hormon Oxytocin. Es wird durch das Saugen ausgeschüttet, da sensorische Nerven in der Mundschleimhaut aktiviert werden.
Verhüten mit Stillen? Bei manchen Frauen funktioniert das in den ersten Monaten. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Da der Eisprung vor der Menstruation stattfindet, wird die Frau auch nicht merken, ab wann sie wieder empfängnisbereit ist. Wer nicht parat ist für ein weiteres Kind, verhütet deshalb.
Der Stuhl eines gestillten Neugeborenen riecht säuerlich-fruchtig. Er stinkt nicht, weil der Darm nur von Bifidus-Bakterien besiedelt ist.
Stillen wirkt sich positiv auf die Kieferentwicklung des Kindes aus, weil die beteiligten Muskeln trainiert werden. Darüber hinaus trainiert es den Lippenschluss, der eine wichtige Voraussetzung für die Sprachentwicklung ist. Gestillte Kinder benötigen weniger logopädische Therapien.
Stillen ist ein Pfundschmelzer. Trinkt das Kind 700 ml Milch, verbraucht die Mutter etwa 500 kcal zusätzlich pro Tag. Das entspricht dem Nährwert eines Tellers Spaghetti mit Tomatensauce.
Gestillte Kinder haben ein kleineres Risiko für Übergewicht, kindliche Leukämie, Diabetes Typ I und II. Allergien sind seltener.
Der Saugreflex des Babys ist in den ersten 30 bis 60 Minuten nach der Geburt am stärksten ausgeprägt. Es kommt viel seltener zu Schwierigkeiten beim Stillen, wenn es in dieser Zeit das erste Mal an der Brust seiner Mutter trinkt.
Die Zusammensetzung der Muttermilch verändert sich von Tag zu Tag, von Mahlzeit zu Mahlzeit und bei Krankheit der Mutter. Sie ist wässriger im Sommer, energiereicher im Winter.
Dank Muttermilch behält der Neugeborenendarm seinen Charme. Die Vormilch enthält hohe Konzentrationen des Proteins PSTI. Dieses legt sich wie ein schützender Film über die Darmzellen und verteidigt sie vor aggressiven Substanzen. Immunglobuline, Oligosaccharide und Enzyme in der Muttermilch helfen bei der Abwehr von Darmwegsinfekten. Oligosaccharide füttern nützliche Bakterien, die im Säuglingsdarm siedeln.
Ausschliessliches Stillen senkt das Risiko des plötzlichen Kindstods um die Hälfte.
Neugeborene haben den richtigen Riecher. Die Montgomery-Drüsen, die um die Brustwarzen der Frau herum angeordnet sind, sondern den Duftstoff Pheromon ab. Diesem folgen die Babys mit untrüglichem Spürsinn bis zu ihrer Nahrungsquelle.
Um zu gedeihen, brauchen Neugeborene in den ersten Tagen und Wochen mindestens 8 bis 12 Stillmahlzeiten innerhalb von 24 Stunden.
Eigentlich saugt das Kind nichtn an der Brust, sondern melkt sie. Mit einer Wellenbewegung seiner Zunge schiebt es die Milch von den Milchkanälen in Richtung Brustwarze.
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