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Familie / Expats
«Ich vermisse die Leichtigkeit des Seins»
Daniela Russ (42), Marketing, Markus Russ (43), IT Business Developer, Allegra (6)
Dauer des Einsatzes: 4 Jahre
Zurück seit: 1 Jahr
«Die Vorstellung, man würde sich als Expat-Mom isoliert fühlen in Singapur, ist falsch. Weil viele Frauen als Begleiterinnen mitreisen, entstehen Kontakte zu Müttern aus aller Welt: Neuseeland, Australien, Amerika. Ich finde, dass man als nicht erwerbstätige Mutter in der Schweiz eher in ein Loch fallen kann, wenn alle um einen herum arbeiten. Vor der Rückkehr in die Schweiz hatte ich schon Bedenken, dass mir vor lauter Hochnebel die Decke auf den Kopf fallen würde. Zum Glück fanden wir eine helle Wohnung und ich habe nach sechs Jahren Auszeit wieder einen tollen 50-Prozent-Job.
In Singapur fühlten wir uns sehr frei. Viele Läden sind 24 Stunden geöffnet, wir kauften ein, wann es uns passte. Das Kultur- und Freizeit-Angebot ist riesig: Museen, Spielplätze, Kurse für Kinder – sie brauchen sich nie zu langweilen. Man kann die Kinder in riesigen überdachten Zentren wetterunabhängig jeden Tag fördern, wenn man möchte.
Wir wohnten in Singapur im 28. Stock. Das klingt gut, war aber ziemlich lärmig, denn der Schall des Verkehrs verstärkt sich in der Höhe. Wegen der hohen Temperatur und der hohen Luftfeuchtigkeit verlagerten wir die Aktivitäten in den späten Nachmittag oder Abend. Dazu gehört auch, auswärts essen zu gehen. Gewusst wo, ist gutes asiatisches Essen auch bezahlbar.
Ich glaube, ich würde mich in keiner anderen Grossstadt der Welt so sicher fühlen wie in Singapur. Nachts als Frau mit Baby unterwegs zu sein, ist kein Problem. Es passiert einem nichts – die Strassen und Parks sind gepflastert mit Kameras.
Natürlich geniessen wir jetzt auch die Vorteile der Schweiz: Endlich können wir wieder unbeschwert Kaugummi kauen! In Singapur erhält man Kaugummis nur in Apotheken, mit registriertem Ausweis. Die Gesetze sind unglaublich streng.
Und hierzulande können wir uns ein Auto leisten: In Singapur kostet ein Personenwagen mit Betriebslizenz für zehn Jahre schnell 140 000 Franken.
Beim Abschied von Singapur war Allegra traurig. Sie musste sich von ihren «Best Friends Forever» und den liebevollen asiatischen Betreuerinnen trennen. Trotz der schönen Zeit würden wir im Moment nicht erneut in die weite Welt hinausziehen. Allegra hat hier neue Freundinnen gefunden und schlägt Wurzeln. Ich glaube nicht, dass es toll ist für Kinder, wenn sie sich alle paar Jahre verabschieden müssen. Allegra soll jetzt Heimatgefühle entwickeln können, die Verluste sind sonst zu heftig.»
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