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Allergie
Heuschnupfen jetzt bekämpfen
Von Alexandra Suter
Wer unter einer Pollen- oder Gräserallergie leidet, kann endlich aufatmen. Und jetzt im Herbst bereits dem Schub im nächsten Frühjahr entgegentreten.
Für Menschen, die unter Heuschnupfen leiden, ist der Herbst die schönste Jahreszeit. Endlich keine Niesanfälle mehr und keine zugeschwollenen Augen, endlich an einem Feld vorbeigehen ohne Angst vor einer Allergieattacke. Dennoch kann man auch in der pollenfreien Zeit gegen sein Leiden angehen: Wer sich in wenigen Monaten auf die nächste Heuschnupfensaison vorbereiten will, kann jetzt, vor dem ersten Pollenflug, eine sogenannte spezifische Immuntherapie, auch Impftherapie oder Desensibilisierung genannt, beginnen. Dabei werden entsprechende Allergene ( z. B. von Birkenpollen ) in steigender Dosierung ins Fettgewebe des Oberarms gespritzt, mit dem Ziel, langsam einen Schutz gegen das Allergen aufzubauen. So soll das Immunsystem lernen, die fremden Eiweisse zu akzeptieren, auf die es bisher allergisch reagiert hat.
Möglich ist eine ganzjährige Therapie, bei der ein Arzt zunächst wöchentlich und nach einem Vierteljahr monatlich während drei Jahren eine Spritze verabreicht. Die abgespeckte Variante dieser Therapie dauert zwar auch insgesamt drei Jahre, beschränkt sich jedoch auf 7 bis 8 wöchentliche Arztbesuche vor der Pollensaison und die Injektionen sind weniger hoch dosiert. Die Immuntherapie wird etwa zwei Monate vor dem ersten Pollenflug begonnen. Wer auf Gräser allergisch ist, wird erst im Winter mit der Desensibilisierung anfangen, da Gräserpollen erst ab April oder Mai aktuell sind.
«Auf die Kurzzeit-Immuntherapie sprechen vor allem junge Patienten gut an, die noch keine jahrelange Heuschnupfenkarriere hinter sich haben und nur auf eine einzige Pollenart allergisch reagieren», sagt die Berner Allergologin Andrea Reimers. Sie eigne sich auch für Patienten, welche Mühe mit regelmässigen Arztbesuchen haben – zum Beispiel Kinder oder Menschen, die berufsbedingt wenig Zeit haben. Ob eine Immuntherapie sich im individuellen Fall eigne, und wenn ja, welche Variante, hänge von vielen Faktoren ab und werde bei einer allergologischen Untersuchung genau abgeklärt.
Die ganzjährige Immuntherapie über drei Jahre hat eine Erfolgsquote von etwa 85 Prozent. Die präsaisonale Kurzvariante gilt als ähnlich erfolgreich, falls sich der Patient dafür eignet. Als Erfolg wird unter anderem gewertet, wenn sich die Symptome stark vermindern und sich die Lebensqualität massiv verbessert.
Seit wenigen Jahren existiert ausserdem eine sogenannt sublinguale Form der spezifischen Immuntherapie, bei der die Allergene mittels Tropfen oder Tabletten über die Mundschleimhaut eingenommen werden. Dabei entfallen zwar die mühseligen wöchentlichen Arztbesuche, doch braucht man eine grosse Portion Motivation und Disziplin, da die tägliche Medikamenteneinnahme leicht vergessen geht. Über den längerfristigen Erfolg dieser Behandlung lässt sich noch wenig sagen, da sie noch nicht lange genug durchgeführt wird. Auch bei der sublingualen Immuntherapie, die wie die Spritzentherapie drei Jahre dauert, gibt es eine präsaisonale sowie eine ganzjährige Variante.
Nebst der reinen Linderung lästiger Symptome wie tränende, geschwollene Augen oder Schnupfen und Müdigkeit geht es bei der Immuntherapie auch darum, die «Allergiekarriere » zu stoppen. Sie kann verhindern, dass sich die Allergie auf immer mehr Allergene wie andere Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare ausdehnt und der gefürchtete Etagenwechsel zum allergischen Asthma eintritt. Daher ist die sogenannte Desensibilisierung besonders für Kinder eine vorbeugende Massnahme, die ihnen später viel Leiden ersparen kann. Allerdings können nach der Spritze Nebenwirkungen auftreten: Da es in seltenen Fällen zu allergischen Reaktionen kommt, müssen die Patienten vorsichtshalber zur Kontrolle eine halbe Stunde lang in der Arztpraxis bleiben.