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Christbäume im Test
Muss es jedes Jahr die klassische Nordmanntanne sein? Wir finden nicht. Und haben verschiedene Baumtypen genauer angeschaut.
Weihnachten ohne Tannenbaum ist für die meisten wie Fondue ohne Käse: geht gar nicht. Deshalb werden gegen Weihnachten jedes Jahr zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Bäumchen gefällt, um in Schweizer Wohnzimmern für Weihnachtsstimmung zu sorgen. Mit 65 Prozent Marktanteil ist die Nordmanntanne bei uns der beliebteste Weihnachtsbaum, gefolgt von der Rottanne mit 20 Prozent. Wer einen etwas eigenwilligeren Geschmack hat, wählt eine Blaufichte, Weissfichte, Engelmannsfichte, Korktanne oder eine Nobilistanne.
Tipps rund um den Weihnachtsbaum
♦ Den Baum bis zum Gebrauch an einem kühlen, feuchten Ort lagern und am besten in einen Kübel mit Wasser stellen.
♦ Den Baum im Netz aufstellen und erst dann das Netz entfernen. Die Äste brauchen maximal einen halben Tag, bis sie wieder in ihrer natürlichen Stellung sind.
♦ Der Raum sollte nicht zu warm sei. Den Baum nicht direkt neben eine Heizung stellen oder diese zurückdrehen. Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden.
♦ Damit der Baum länger frisch bleibt, sollte er vor dem Aufstellen neu angeschnitten und danach in einen Christbaumständer mit Wasser gestellt werden.
Laut der IG Suisse-Christbaum, wird mehr als die Hälfte der Weihnachtsbäume importiert, vorwiegend aus Dänemark. «Grossflächige Monokulturen ermöglichen den Produktionsbetrieben Preise, mit denen Schweizer Anbauer nicht mithalten können», sagt Philipp Gut, Geschäftsführer der IG Suisse-Christbaum. Schweizer Bäume sind jedoch umweltfreundlicher, nicht nur wegen den kurzen Transportwegen. «In den einheimischen Weihnachtsbaumkulturen werden weniger Hilfsstoffe eingesetzt als in ausländischen Grossbetrieben», so Gut. Wer sicher gehen will, dass der Baum ohne Chemie gewachsen ist, kauft die Tanne in Bio-Qualität oder direkt bei der Waldbesitzerin.
Der Anbau von Weihnachtsbäumen ist nicht nur eine wichtige Einnahmequelle für Forst- und Landwirtschaftsbetriebe. Vom Samen bis zum fertigen Christbaum dauert es rund zehn Jahre, während der der Baum gehegt und gepflegt werden muss – Weihnachtsbaumkulturen produzieren in dieser Zeit Sauerstoff und dienen vielen Tierarten als Rückzugsort und Lebensraum.
Fünf Christbäume unter der Lupe

Obwohl keine einheimische Baumart, ist die Nordmanntanne heute der meistgekaufte Weihnachtsbaum. Er hat dunkelgrün glänzende Nadeln, einen gleichmässigen Wuchs und buschige Äste. Auch nach mehreren Wochen im Wohnzimmer verliert er keine einzige Nadel. Nachteile: Sein Duft ist nicht sehr intensiv und er ist komplizierter im Anbau, weil frostanfällig und von Rehen geliebt. Wird er in der Schweiz angebaut, ist seine Ökobilanz gut.
Preis Schweiz* Fr. 60.–, Import ab Fr. 20.– (160 cm).
* Richtpreis für Weihnachtsbäume der IG Suisse-Christbaum
Ästhetik: ● ● ● ● Ökobilanz: ● ● ● Preis/Lebensdauer: ● ●

Einen Baum ausleihen und nach Weihnachten wieder zurückgeben, sodass er nächstes Jahr eine weitere Familie beglückt, das ist eine schöne Idee – aber leider nur auf den ersten Blick. Für den Baum ist der Auftritt im überheizten Wohnzimmer oft so strapaziös, dass er ihn längerfristig nicht überlebt. Auch aus ökologischer Sicht ist der Mietbaum kein Überflieger: Der Transport vom Anbauort und wieder zurück belastet die Umwelt doppelt. Dazu kommen die Nachteile der Kultivierung im Topf.
Preis Fr. 148.– (155–175 cm).
Bezug: z.B. bachsermaert.ch
Ästhetik: ● ● ● ● Ökobilanz: ● ● Preis/Lebensdauer: ●

Wer es wagt, den Christbaum neu zu deuten und langlebige Produkte mag, setzt auf den Schreinerbaum. Weil die «Äste» verstellbar sind, können sie jedes Jahr anders angeordnet werden, was mit Kindern besonders viel Spass macht. Der Baum kann platzsparend aufbewahrt werden. Hergestellt wird er aus Schweizer Fichtenholz in Luzerner Ausbildungsstätten.
Preis Fr. 290.– (160 oder 190 cm).
Erhältlich bei Luzerner Schreinereien. shop.vssm-luzern.ch
Ästhetik ● ● ● Ökobilanz ● ● ● ● Preis/Lebensdauer ● ● ● ●

Die gemeine Fichte, wie die Rottanne auch heisst, ist ein einheimischer Nadelbaum. Weil er schnell wächst, nicht erfriert und von den Rehen verschmäht wird, ist er deutlich günstiger als etwa die Nordmanntanne. Auch seine Ökobilanz ist vortrefflich, da er ohne Pflanzenschutzmittel wächst und aus einheimischem Wald oder Anbau stammt. Und er riecht ausgeprägt nach Nadelwald. Sein Nachteil: Er trocknet schnell aus und verliert dann die Nadeln. Bei der Ästhetik gehen die Meinungen auseinander.
Preis* Fr. 28.– (160 cm).
* Richtpreis für Weihnachtsbäume der IG Suisse-Christbaum
Ästhetik: ● ● ● Ökobilanz: ● ● ● ● Preis/Lebensdauer: ● ● ●

Für Menschen mit Sinn für Echtes ist er ein No-Go. Der Plastikbaum hat zwei Hauptvorteile: Er verliert keine Nadeln und kann mehrmals verwendet werden, sofern die Qualität einigermassen stimmt – und kostet dann aber mehrere Hundert Franken. Weil er meist aus Fernost kommt und sowohl die Plastikherstellung wie auch die Entsorgung problematisch sind, ist er ökologisch keine Leuchte. Qualitativ hochwertige Bäume sind Billigprodukten mit kurzer Lebensdauer vorzuziehen.
Preis ab Fr. 29.90
Ästhetik: ● Ökobilanz: ● ● Preis/Lebensdauer: ● ● ●

Das Jahr über steht er auf dem Balkon oder im Garten. An Weihnachten zügelt er für ein paar Tage ins Wohnzimmer und jedes Jahr ist das Bäumchen ein Stück grösser. Allerdings nur, wenn es regelmässig Wasser, Dünger und hin und wieder einen grösseren Topf erhält. Der Baum muss im Topf gezogen sein. Nordmanntannen eignen sich nicht für die Topfhaltung, flach wurzelnde Fichten schon. Wichtig: Der Baum sollte max. 4–5 Tage in der Wärme sein und jeden 2. Tag Wasser erhalten. Akklimatisieren im Treppenhaus tut ihm gut.
Preis ab Fr. 19.95 (40–50 cm)
Infos: plantura.ch, Weihnachtsbaum im Topf.
Ästhetik ● ● ● ● Ökobilanz ● ● ● Preis/Lebensdauer ● ● ● ●
Das bedeuten die Punkte:
sehr gut: ● ● ● ● gut: ● ● ● befriedigend: ● ● unbefriedigend: ●
Veronica Bonilla wollte früher Fallschirmspringerin werden. Seit sie den freien Fall bei der Geburt ihrer Kinder erlebt hat, hat sich dieser Wunsch in Luft aufgelöst. Übergänge und Grenzerfahrungen faszinieren sie bis heute. Dabei liebt sie es, um die Ecke zu denken und sich davon überraschen zu lassen, was dort auftaucht. Und stellt immer wieder fest, dass ihr Herz ganz laut für die Kinder schlägt. Sie war bis 2022 auf der Redaktion fest angestellt, seither als Freie für das Magazin tätig.