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Bin ich ein fauler Vater?

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zvg
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Natürlich weiss ich, dass ich kein extrem fauler Vater bin. Ich arbeite Teilzeit, betreue an eineinhalb Tagen die Woche meine Tochter, wechsle ihr seit Tag 1 die Windeln, tröste sie, bringe sie ins Bett und versuche ausserdem seit 7 Jahren, meinem Stiefsohn ein männliches Vorbild zu sein. Man kann sicher sagen, dass ich engagiert bin. Und trotzdem komme ich mir im Vergleich zu meiner Frau faul vor.
Ich möchte das gerne anhand meines Papi-Tages am vergangenen Donnerstag skizzieren: Ich wache um 7.30 Uhr im Zimmer meiner Tochter auf. Sie schläft leider noch immer nicht ganz durch und wenn sie in der Nacht weint, weil sie den Nuggi verloren oder Durst hat, ist es manchmal leichter, sich gleich zu ihr zu legen. Das war in der vergangenen Nacht um 1 Uhr der Fall. Meine Frau ist auch wach. Wir stehen auf, frühstücken, das Mädchen lacht und spielt, der Tag hat ja eben erst begonnen. Nachdem meine Frau zur Arbeit ist, schalte ich den Fernseher an, immerhin spielt Roger gegen Stan. Ich schaue mir den ersten Satz an und stelle sicher, dass meine Tochter nicht in die Nähe der Fernbedienung kommt. Sie schaut mit und pfurrt etwas in der Gegend herum. Nachdem Roger den ersten Satz gewonnen hat, lege ich mich mit Ronja zum Mittagsschlaf hin. Es ist 10.40 Uhr. Als sie unruhig wird, wache ich auf, bleibe mit ihr aber trotzdem noch etwas liegen. Ich bequeme mich, aufzustehen – um festzustellen, dass schon 12.50 Uhr ist. Schnell das Thai von gestern aufwärmen (für mich) und ein paar Nudeln aufsetzen (für sie). Nach dem Essen noch kurz wickeln, dann anziehen und um 13.45 Uhr in die Kita bringen. Nun schreibe ich an diesem Text, danach werde ich noch administrative Dinge erledigen müssen und die Wohnung aufräumen, den Geschirrspüler ausräumen und wieder einräumen. Um 18 Uhr werde ich meine Tochter von der Kita abholen und um 19 Uhr kommt meine Frau nach Hause. Ziemlich gemütlich, oder?
Im Vergleich dazu:
- Meine Frau legt sich nie mit Ronja zum Mittagsschlaf hin, sondern putzt, wäscht oder wütet sonst etwas in dieser Zeit.
- Sie geht mit ihr immer raus (in die Kälte), zum Einkaufen, Shoppen oder Leute treffen.
- Sie macht den Haushalt, WÄHREND sie Ronja betreut.
- Sie kocht richtig, sprich: wärmt nicht bloss auf oder wirft etwas in den Backofen.
- Sie legt auch unter Druck noch Wert auf Körperhygiene.
Sollte ich das auch so machen? Könnte ich das auch so machen? Ich glaube, ich setze mir schlicht andere Prioritäten:
- Schauen, dass ich am Abend nicht abgebrannt bin.
- Quality Time mit meiner Tochter.
- Auch mal einen Moment für mich haben.
- Immer noch nicht Haushalt.
Ist das egoistisch? Oder soll das so sein?
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Reto Hunziker ist 1981 im Aargau geboren, aber das muss noch nichts heissen. Er hat Publizistik, Filmwissenschaft und Philosophie studiert und auch das muss noch nichts heissen. Er arbeitet als freier Journalist und als Erwachsenenbildner und versucht daneben, dem ganz normalen Wahnsinn in einer Patchwork-Familie (Frau, Tochter und Stiefsohn) mit Leichtigkeit und gesundem Menschenverstand zu begegnen – das will was heissen. Alle Blog-Beiträge von Reto Hunziker finden Sie hier.