Baby-Massagen
Beruhigen mit dem Schmetterling

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Das Baby schreit aus Leibeskräften, die Mutter ist den Tränen nah, und der Vater bricht noch einen Streit vom Stapel. Ein Neugeborenes kann leicht die ganze Familie aus der Bahn werfen. Doch wie wieder zur Ruhe kommen? Und wie das Kind zur Ruhe bringen? Eigentlich ist es naheliegend, die ausgleichende Kraft für die Familienpsyche dort zu suchen, wo der Stress stattfindet: im Körper.
Von diesem Gedanken lässt sich auch die Schmetterlingsmassage leiten. Immer mehr Hebammen und Psychologinnen schwören auf diese zarte und spezielle Babymassage. Sie wurde ursprünglich für traumatisierte und zu früh geborene Babys entwickelt. Heute gilt sie als Familienmassage, die allen Säuglingen und Eltern nach der Geburt helfen kann, Stress abzubauen.
Gesprächstherapie mit jemandem, der nicht spricht
Daniella Nosetti-Bürgi ist Fachpsychologin für Psychotherapie FSP in Emmenbrücke und arbeitet seit 20 Jahren mit Müttern und ihren Babys in Krisen. Ihre kleinen Patienten leiden unter Schlafstörungen, Schreiattacken, trinken nicht gut, haben allerlei grössere und kleinere Verkrampfungen.
Die Schmetterlingsmassage ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Daniella Nosetti-Bürgi. Sozusagen eine Form von Gesprächstherapie mit jemandem, der noch nicht spricht. «Neugeborene haben bereits viel erlebt», sagt sie. Mit schmetterlingsleichten Berührungen versucht sie, ein verkrampftes Baby wieder zu harmonisieren und zu beruhigen. Eine schöne Vorstellung.
Die Schmetterlingsmassage wurde vor 60 Jahren von der amerikanischen Ärztin Eva Reich entwickelt. Diese ging davon aus, dass sich jede psychische Belastung in einer körperlichen Anspannung äussert. Dank minimaler Berührungen kann das Baby diese Spannungen abgeben.
Einfache Grundtechnik
Die Grundtechnik der Schmetterlingsmassage ist einfach. Die massierende Person sucht eine Körperstelle, wo das Kind Berührungen mag, und beginnt dort. Die eigentliche Massage besteht aus drei Teilen. Zuerst ein weiches Streichen mit viel Kontaktfläche der Hände, so, als ob man den Babykörper mit Schmetterlingsflügeln einhüllte.
Das geht übrigens auch über einem Body. Es folgt ein leichtes Schütteln der Muskeln, als würde man einen Pudding zum Wackeln bringen. Zuletzt ein zartes Kreisen, als malte man mit einem Pinsel dicke Tupfer.
Der Name «Schmetterlingsmassage» besagt, dass alle Bewegungen so sanft wie möglich gemacht werden. Mit dieser minimalen Stimulation soll der Lebensfluss angeregt werden. Die Schmetterlingsmassage verlangt keine anatomischen Grundkenntnisse. Sie geht vom Gedanken eines einzigen, grossen Stroms an Lebensenergie aus, die den Körper durchfliesst.
Jede Bewegung drei Mal hintereinander
Das Tempo ist gemächlich, bei jedem Reiz wartet man die Reaktion ab. Jede Bewegung wird drei Mal hintereinander gemacht, damit die Massage etwas Rhythmisches und Gleichförmiges erhält. Alle Bewegungen verlaufen vom Kopf zu den Füssen und von der Mitte des Körpers nach aussen. Wird das Kind unruhig, hört man auf,auch wenn noch nicht alle drei Teile abgeschlossen wurden.
Die Erfahrungen von Psychologin Daniella Nosetti-Bürgi zeigen, dass die Massage gerade für Mütter ein Trost sein kann, wenn das Neugeborene noch viel und lange schreit. Sich ihm in Momenten zuzuwenden, in denen es wach und zufrieden ist, sind Gelegenheiten, das Kleine richtig zu geniessen. Und Energie, für anstrengendere Phasen zu tanken.
Es gibt allerdings auch Kinder, die schreien, wenn Mutter oder Vater sie massieren wollen. Die Psychologin rät zu etwas Geduld. Eltern sollen es immer wieder versuchen, weil «fast alle Kinder in Phasen hineinwachsen, in denen sie Berührung lieben». Und Thomas Harms meint: «Wir raten diesen Eltern, ihr Kind, so oft als ihnen möglich ist, am Körper zu tragen. Es gibt unzählige Arten, über den eigenen Körper Lebensenergie zu schenken und zu tanken.»
Ausbildung und Therapie
Eine Übersicht über die aktuellen Ausbildungsangebote für Schmetterlingsmassage sowie für Therapieangebote gibt das Polarity Bildungszentrum Schweiz, 044 218 80 80 oder www.polarity.ch