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Liebe deinen Körper?
Von Bloggerin Nathalie Sassine-Hauptmann

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«Mami, ich bin so dick!». Meine Tochter steht vor dem Spiegel im Eingang und begutachtet sich. Linke Seite, rechte Seite, Bauch eingezogen, Bauch normal. «Wer sagt denn sowas?» meine etwas hilflose Antwort. Und da kommt er: Dieser Blick, der mir zu verstehen gibt, ich solle sie bitte nicht vera....en. Denn es ist auch egal, wer es sagt, im Vergleich zu den meisten anderen Kindern in ihrem Alter ist meine Tochter rundlich. Und nicht doof. Aber ich offenbar, denn ich weiss wirklich nicht, was ich ihr dazu sagen soll, ausser dass sie wunderschön ist, dass keines der Kinder ihre Augen, ihren Mund oder gar ihre Ausstrahlung hat, weil alle anderen Kinder sowieso nicht so toll sind, wie meine undundund... Nützt natürlich alles nichts, das ist mir klar. Meine Tochter ist 7 Jahre alt und ich möchte nicht, dass sie mit der Idee aufwächst, sie sei nicht gut genug, weil zu dick.
Also habe ich mich auf die Suche nach wirklich guten Reaktionen auf diese weibliche Selbstkritik gemacht – die wir Mütter wohl oft genug selber an uns ausüben. Und wurde fündig. Die Liste hat keinen Anspruch auf wissenschaftliche Wahrheit, nur mein – hoffentlich gesunder – Menschenverstand sagt mir, dass diese Antworten Sinn machen:
- Wieso sagst du das? Um herauszufinden, woher dieses Gefühl kommt, von Freunden, sich selber oder gar von uns Eltern? Die Diskussion ist eröffnet.
- Es ist völlig normal, so zu fühlen. Schliesslich haben wir Frauen (und Männer sicherlich auch) unsere Probleme, uns zu akzeptieren.
- Was wäre denn so viel anders, wenn du dünner wärst? (Zwischen den Sternen kann ein beliebiges Adjektiv eingesetzt werden, je nach «Problemzonen». Da muss sie schon mal überlegen, was denn so toll daran ist, dünn (oder sonst was) zu sein.
- Und was magst du besonders an deinem Körper? Positives Denken: Sie soll sich doch auf die Dinge konzentrieren, die sie mag.
- Was kann dein Körper tolles? Was andere vielleicht nicht können? Tanzen? Turnen? Beweglichkeit? Lustig sein?
- Mir ging es auch oft so. Ich fand mich nie dünn genug. Bis ich mal mitbekam (mit über 30!), dass andere – dünne – Frauen andere Probleme hatten: Haut, Haare, Zähne undundund, die ich nie hatte.
- Ich finde dich wunderschön! Klar, das muss sein!
- Dünn ist nur eine Art, wie ein Mensch sein kann. Wie blond, bläuäugig oder mit dunkler Haut. Es ist kein erstrebenswertes Ziel.
- Dein Wert wird nie in einer Kleidergrösse gemessen werden!
Was meint ihr? Kann ein kleines Mädchen mit diesen Reaktionen etwas anfangen? Gibt es weitere, die ihr hinzufügen möchtet? Oder soll sie einfach gefälligst abnehmen?
Nathalie Sassine-Hauptmann (1973) gehört zu den Müttern, die ihr schlechtes Gewissen wie ein Baby mit sich rumtragen. Dennoch würde sie ihren Beruf nie aufgeben. Mit ihrem Buch «Rabenmutter - die ganze Wahrheit über das Mutterwerden und Muttersein» spricht sie vielen berufstätigen Müttern aus der Seele. Denn als Unternehmerin weiss sie, dass ihre Kinder sie zwar glücklich machen, aber erst ihr Job ihr den Ausgleich garantiert, den sie braucht. Sie führt sowohl ihr Familienleben als auch ihre Firma mit viel Leidenschaft und macht sich in diesem Blog Gedanken zur Vereinbarkeit von beidem. Und sie hat keine Angst davor, sich eine Feministin zu schimpfen. Alle Blog-Beiträge von Nathalie Sassine-Hauptmann finden Sie hier.